Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Lips Lipsius 729

Ktadt, geboren und ward anfangs zum Dorfbardirer, was seinBattr war, und darauf zum Landmann bestimmt. Da er jedochkmen offenen Kopf verrieth, gab der dasige Pfarrer ihm einigenUnterricht in der lateinischen Sprache, in der Geschichte und Mytho-logie. Während dessen entwickelte sich seine Neigung zum Zeichnendergestalt, daß man damit umging, ihn zu dem berühmten Kupfer-stecher Schcllenberg zu thun, der aber 200 Gulden Lehrgeld for-derte , eine Summe, welche seine Eltern unmöglich aufbringen zukönnen glaubten. Nun sollte Lips wirklich Barbirer werden, alskavater, der von des Knaben Anlagen Beweise erhalten hatte unddenen zu Folge erklärte, daß dieser einst einer der größten Kupfer-stecher werden würde, sich für seinen Unterricht verwandte. Nunlieferte Lips gleich im ersten Jahre Platten, die ein großes Ver-dienst.hatten. Seine Versuche im Dermalen sielen nicht minder glück-lich aus, so, daß der Kenner kaum entscheiden konnte, wofür LipSam mehrsten geboren sey, entweder für die Malerei oder für dieKupferstecherkunst. Lavater bediente sich des jungen Künstlers börder Herausgabe seiner physiognomischen Fragmente. Als diese Ar-beit beendigt war, ging Lips nach Rom, um sich daselbst noch voll-kommener auszubilden. Nach seiner Aurückkunft ward er alsProfessor der Zeichnungsakademie nach Weimar berufen, gab dieseStelle jedoch nach kurzer Zeit wieder auf und kehrte in sein Vater-land zurück. Seine zahlreichen Werke der Kupfcrstecherkunst sind inganz Europa verbreitet und beweisen, daß er einer der größtenKünstler in diesem Fache ist,, welche ^die neuere Zeit auszuwei-sen hat.

Lipsius (Justus), einer der gelehrtesten Kritiker, welche imrbten Jahrhundert gelebt haben, ward am 18. Oct. 1547 5» Jsch,einem Dorfe nahe bei Brüffel, geboren. Im neunten Jahre seinesAlrers verfertigte er schon Gedichte, im zwölften Reden und imneunzehnten sein bekanntes Werk: Vorige lactioiias. Nachdemihn der Cardinal Granvelle als seinen Gecretär mit sich nach Romgenommen hatte, lehrte er öffentlich Geschichte und die schönen Wis-senschaften aus den Universitäten zu Jena, Lcyden und Löwen. SeineKollegia erhielten einen so großen Ruf, daß der Erzherzog Albrechtund seine Gemahlin, die Jnfantin von Spanien, dieselben mit ih-rem ganzen Hofe besuchten. Vergebens bemühte sich Heinrich IV.,Paul V. und die Stadt Venedig ihn unter den glänzendsten Aner-bicwngen in ihre Dienste zu ziehen. Scaliger, Casaubonius undLipsius galten damals für die Triumviren in der Republik der Wis-senschaften. Wir finden in Lipsius ein wunderbares Gemisch vontirfforschender Gelehrsamkeit und vom trivialsten Geschwätz: cleglaubte, sich des Styls von Tacitus bemächtigt zu haben und hattenur dessen Dunkelheit und Härte erlangt. In seiner Hi-wirs äsblotre-Oame äs klg. 1 I , deren Inhalt an die Zeiten der craffestenUnwissenheit erinnern würde, wenn wir nicht wüßten, daß sie schonin einem aufgeklärten Jahrhunderte geschrieben worden, giebt er,ohne alle kritische Sichtung, die lächerlichsten Fabeln, die abge-schmgcktesten Sagen zum Besten. Seine feile Feder ertheilt sich selbstuberdieß noch in der Vorrede zn diesem Werke die übertriebenstenLobsprüche. In seinem Drgitü äs Volitigne behauptet er, allediejenigen, welche eine fremde Religion bekennen, müßten mit Feuerund Schwerdt ausgerottet werden, damit eher ein Glied zu GrundeSehe, als der ganze Körper. Er war bemüht, die Le^re der