Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
731
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Lissabon 73 r

Lievers und Philippi kann man den Artikel LiScov im dritten Bandedes Lcricons deutscher Dichter und Prosaisten von Jördens nachlesen.

Lissabon (port. Lisboa), die Haupt- und (bis 180?, wosich der Hof nach Brasilien flüchtete, von wo er noch nicht zurück-gekehrt ist) die Residenzstadt des Königs von Portugal in der Pro-vinz Estremandura, am Flusse Tajo (Tejo), liegt in der Form ei-nes Amphitheaters und begreift sieben, eigentlich nur drei, Bergein ihrem Umfange. Sie ist völlig offen, meistens schmal, eineMeile lang, liegr längs dem Flusse und hat einen guten Hafen miteiner doppelten Einfahrt, in welchem-die größten Kriegsschiffe biszur Stadt kommen können, und dessen Eingang durch mehrereThürme und Schlösser beschützt wird. Der dasige Patriarch der Pa-triarchalkirche ist stets ein päpstlicher Hexavus a Innere und hat denSlang vor allen Erzbischöffen und Bischöffen in Portugal und In-dien. Er kleidet sich wie der Papst, und seine 24 Domherren wiedie Cardinale. Am 1. Nov. i/SS ward die Stadt durch ein fürch-terliches Erdbeben, in welchem 15 — 20,000 Menschen ihr Lebenverloren, und hernach durch einen Brand verwüstet. ,Bon 24,000Häusern ginge» zwei Dritthcile gänzlich zu Grunde und der Restward mehr oder minder beschädigt. Im I. 1778 lag noch über einDrittheil der Stadt in Schutt; aber 1789 war sie gänzlich wiederhergestellt. Die Straßen sind, wegen des bergigen Bodens, uneben,durchaus, aber oft schlecht gepflastert, meistens krumm, schmutzig,bei Nacht nicht erleuchtet, haben aber für die Fußgänger ein Trvt-toir. Die Kirche der Dominicaner, ein Meisterstück der Baukunst,welches 45 Millionen Franken gekostet hat, ist von der letzten Kö-nigin erbaut. Der sogenannte Schatz, welchen ebenfalls die letzteKönigin zu bauen angefangen, ist und wird vielleicht nicht vollendetund soll bereits so viel Crusaden gekostet haben, qls Raum darinist. Der ansehnlichste Platz in der Neustadt ist der Praca de Co-mercio (der Handelsplatz). Gegenwärtig, da die Stadt gegen We-sten erweitert ist, giebt man die Zahl der Häuser auf 38 ,ios unsdie Zahl der Einwohner auf 35 o,c>oo an, von welchen letzter» die inUrica und Ost - und Westindien von Portugiesen und dortigen Ein-wohnern gezeugten Menschen, nebst den schwarzen Sclaven beinaheden vierten Theil ausmachen. Lissabon ist der Sitz der vornehmstenReichscollegien, einer 1720 gestifteten Akademie der portugiesischenGeschichte und eines 1766 errichteten Eollegiums, das zum Unter-richts von hundert adeligen Pensionärs bestimmt ist. Auf demneuen Platze steht seit dem 6. Junius 177S die metallene BildsäuleKönig Josephs I. zu Pferde. Der Handel der Stadt ist sehr wich-tig, verbreitet sich aber nicht sowol über die Produkte des Landes,als vorzüglich über die wichtigsten Erzeugnisse Brasiliens und' Ost-indiens , von welchen Hier der Hauptmsrkt ist. Der Zoll ist so be-trächtlich, daß er den größten Theil der königlichen Einkünfte inEuropa ausmacht. Die Wasserleitung, vom unsterblichen Johann V.(dem Heinrich IV. von Portugal) erbaut, welche von Alcantaranach Lissabon geht, ist ein vortreffliches Werk, dessen Hauptbogenvon gothischer Arbeit, unter welch«» ein Linienschiff von 74 Kano-nen mit vollen Segeln durchpaffiren kann, einer der prächtigsten inganz Europa ist. Dieß Werk widerstand der Gewalt des Erdbe-bens, obgleich die Schlußsteine sich einige Zoll in die Tiefe senkten,aber von dem -Mittelpuncte des Gewölbes, das sich sogleich wiederschloß, aufgefangen wurden.