Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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scheint die Nachricht der spanischen Gelehrten, daß er über 400 re-ligiöse und 1800 andere, theil! komische, theils tragische Schau-spiele verfertigt habe, übertrieben zu seyn. Seine Stücke standenin solchem Ansetzn, daß die Schauspieler sie sich dem Golde gleichzuwiege» lassen mußten; auch jetzt noch werden sie in Spanienmit stets erneuertem Beifalle aufgeführt. Schlegel in seinen Vor-lesungen über dramatische Kunst und Literatur sagtüber Lope folgendes: „Unstreitig erscheint dieser bald zu sehr ver-götterte, bald zu sehr herabgesetzte Vielschreiber in seine» Theater-stücken im vortheilhaftesten Lichte, da das Theater zur Ablcgungseiner drei Hauptfehler, des Mangels an Zusammenhang, derWeitschweifigkeit und der unnütz ausgekramten Gelehrsamkeit, diebeste Schule war. In einigen seiner Stücke, besonders den histo-rischen , die sich auf alte Romanzen und Sagen gründen, z. B.dem König von Warnba, den Jugendstreichen des Bernardo delCarpio, den Zinnen von Torv, u. s. w. herrscht eine gewisse Roh-heit der Darstellung, die aber gar nicht ohne Charakter ist, undabsichtlich für die Gegenstände gewählt zu seyn scheint; in andern,welche Sitten der damaligen Zeit schildern, z. B. der muntern To-ledanerin, der schönen Häßlichen, zeigt sich schon ein sehr gebilde-ter geselliger Ton. Alle enthalten, neben wahrhaft interessante»Situationen, unvergleichliche Späße, und vielleicht sind nur wenigedarunter, mit denen man nicht, wenn sie gehörig bearbeitet underneuert würden, noch heut zu Tage auf der Bühne eine großeWirkung hervorbringen könnte. Ihre Mängel find ungefähr dienämlichen: verschwendete, nicht zu Rath gehaltene Erfindung undvernachlässigte Ausführung. Außerdem fehlt es ihnen noch anTiefe und an jenen feinen Beziehungen, welche eigentlich die My-sterien der Kunst ausmachen."

Lord (engl. Herr) ist der allgemeine Titel des eigentliche»englischen. Adels, welchen daher die Ritter und Baroncts nicht be-kommen. Die wirklichen Lords bilden größtenthcils das Oberhausim Parlemerite und heißen Pairs. Doch giebt es auch Litular-Lvrds, welche entweder Söhne von Pairs, oder Schott- und Jr-lander find, und gewöhnlich als Vvlksrepräsentantrn im Unter-hause sitzen.

Lorme (Marion de), eine berühmte französische Buhlertzi,1612 oder 16,5 von einer bürgerlichen Familie zu Chalons in derEhampagne geboren, ward von einem Günstlinge Ludwigs Xlll.Mit einer heftigen Leidenschafl geliebt, bis sie hernach der Cardi-nal Richelieu zu seiner Mätresse erwählte. Auch der große Cond6liebte sie und bei ihr hielten die Frondeurs (die Gegenpartei desHofes, an deren Spitze der große Conde stand) ihre geheimstensusam.menkünfre. Mazarin, der davon unterrichtet wurde, wolltesie aufheben lassen; sie hatte aber selbst im Cabinette dieses Für-sten Freunde. Diese bcnachrichrigten sie von dem was ihr bevor-stand und sie entfloh. Nun gab anan sie für krank und bald dar-auf für todt aus; unter ihren Fenstern sah sie ihr eigenes Leichen-begängniß vorüberziehen, und mehrere ihrer Liebhaber, die dem-selben folgten, weinte» aufrichtig über ihren Tod. In der folgen-den Nacht reiset« sie nach England, wo sie einen reichen Lord Yei-rathete, der aber kurz darauf starb und ihr einen großen Theilseines Vermögens hinterließ. Nun verkaufte sie ihr sämmtlicherdortiges BkstWum, um ihr Letzen i» Frankreich zu beschließen.