Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
760
JPEG-Download
 

760 Lorme Loretto

Auf derReise dorthin ward sie aber zwischen Dünkirchen und Parisvon Räubern überfallen, die ihr ihr ganzes Vermögen bis ausden letzten Heller raubten. Damit noch nicht zufrieden, schlepptesie der Anführer der Räuber, dem sie gefallen hatte, mit sich fortund heiratete sie. Nachdem sie auch von diesem zur Wittwe ge-macht worden war, begab sie sich mit einem Bedienten und einerKammerfrau nach Paris , wo sie rn der Vorstadt Samt - Germainvon einem jährlichen Einkommen von etwa roao Thalern lebte.Nach einem Zeitraum von mehr als 3o Jahren konnte sie der Be-gierde nicht widerstehen, nach Versailles zu gehen. Die erste Per-son, welche ihr hier begegnete, war die berüchtigte Ninon, ihre äl-teste und beste Freundin. Sie will sie umarmen; Ninon aber er-kennt sie nicht. Dieß schreibt Marion, weit entfernt, es für eineFolge des Alters zu halten, ihrem grausamen Schicksale zu, undvon Kummer zerrissen kehrt sie nach Paris zurück, wo sie plötzlichkrank wird. Bedienter und Kammermädchen beschließen, sie zu be-stehlcn und nehmen ihr das Silberzeug nebst dem sämmtlichen baa-ren Gelde, ja sogar ihre Obligationen. So bleibt nun Marion24 Stunden in dem hülflosesten Zustande liegen, bis endlich zufäl-lig ein Nachbar zu ihr kommt, dem sie ihr ganzes Schicksal, be-sonders ihren letzten Auftritt mit Ninon erzählt. Der Mann läuftin die Wohnung der letzter», kehrt aber bald mit Thränen i» denAugen zurück und meldet ihr, Ninon sey am Tage vorher gestor-ben. Diese Nachricht wirkt so heftig auf ihr Gemüth, daß sie ei-nige Stunden darauf ihren Geist aufzieht. Dieß geschah in ihrem85. Jahre. In den für classisch gehaltenen Memoiren des Cheva-lier de Grammont ist eine Schilderung Marions und Ninons ent-halten, in welcher die Eigenthümlichkeiten dieser beiden berühmtenBuhlerinnen, so wie die körperlichen und geistigen Reize derselben,aus eine anziehende Weise in Zusammenstellung mit einander ge-bracht sind.

Lorrain (Claude) s. Claude Gelee.

Loretto, eine kleine, dreiviertel deutsche Meilen vom Meereentfernte Stadt, in der Mark Ancona, im päpstlichen Gebiete, hateinen Bischofs, ungefähr 400a Einwohner und besteht nur aus ei-ner einzigen langen Gaffe. Au dem in der Domkirche daselbst sichbefindlichen heiligen Hause (In Lasa Laura), welches die En-gel irgr aus Galiläa nach Tersati in Dalmatien, von da aber1294 nach Italien hinüber in die Gegend von Recanati und end-lich 129S an seinen gegenwärtigen Ort gebracht haben sollen, ge-schehen alljährlich sehr große Wallfahrten. Das heilige Haus,welches mitten in der Kirche steht, ist von außen mit Marmorüberzogen und aus Cedernholz und Backsteinen von ungleicherGröße gebaut, 3c> Fuß lang, r5 breit und 18 hoch, und von innerund außen mit vielen Kostbarkeiten geziert. Es hat eine Thürund ein Gitter von Silber, hinter welchem letzten» Maria mitdem Jesuskinde steht. Es befand sich daselbst auch ein unglaub-licher Schatz, der sich durch die Freigebigkeit der Pilgrimme undhoher Standespcrsonen nach und nach gesammelt hatte. Die Ein-künfte des Hauses wurden auf Zcyooo Scudi, ohne die Geschenkeder Pilgrimme, gerechnet. Bon diesen zählte man jährlich auf»acyovo. Unter andern Seltenheiten zeigt man in diesem heiligenHause, welches dasjenige seyn soll, worin Maria zu Razareth ge-wohnt hat, das Fenster, durch welches der Engel Gabriel zu ihr

l der

! Ei,

' s-Y

che>

ver

gr°

Bi,

der

uni

De

rer

Lot

ma

wo

Bl

ein

we

die

nc>

Di

Pf

L!

! 3)nuKi

jü

er

A>

ge

Si

> alW

! N

> tttrdig«n>6u>

I ^a;

! Zddnv

z>

a

T

si

d