' 762 Lothringen Lotichius
Heinrich I. gab seinem Schwager Giselbert jene Länder als einHerzogthnm, und Otto I. that dasselbe mit seinem Eidam Conraddem Weisen aus Franken. So geschah es auch von Otto II. undHeinrich HI. Lothringen blieb also anerkannt ein deutsches Lehn.Mit Karl dem Kühnen begann eine neue Epoche; denn das Landkam an seine Tochter Jsabelle, da er ohne männliche Erben starb,und Zsabellens Eidam Friedrich, welcher Lothringen behauptete,stiftete durch seine beiden Söhne, Anton und Claudius, die lo-thringsche Haupt- und die Nebenlinie, welche letztere sich in Frank-reich ausbreitete. Bon der Zeit an (1640) mischte sich Frankreichentscheidend in alle lothringsche Händel. Karl von Lothringenwurde im Zojährigen Kriege, da er Oesterreichs Pa.rtei hielt, ver-jagt, erhielt i 65 g unter härten Bedingungen seine Länder wieder,und machte 1662 mit Frankreich den Tractat: daß Lothringen nachseinem Tode an Frankreich fallen, auch das gesammte Haus Loth-ringen unter die Prinzen vom Geblüt« gerechnet werden sollte.Dennoch ward er noch einmal verjagt und starb in österreichische»Kriegsdiensten. Erst seines Bruders Enkel, Leopold Joseph, wurdedurch den Ryswicker Frieden (1697) wieder als regierender Herzogvon Lothringen eingesetzt. Endlich erlangte Frankreich im I. 17ZZdoch seine Absicht, da Ludwigs XV, Schwiegervater, der verjagtepolnische König Stanislaus, die Herzogthämer Lothringen undBar zeitlebens erhielt, auch derbe Länder nach seinem Tode mitvölliger Souveränität auf immer Frankreich zufielen und da-mit vereinigt wurden. Seit der Zeit blieb Lothringen eine fran-zösische Provinz. Des Landes Hauptstadt ist Rancy, nicht weitvon der Meurte in einer angenehmen Ebene gelegen. König Sta-nislaus hat die Stadt sehr verschönert, hat daselbst den Königs-markt angelegt und eine Gesellschaft der Wissenschaften gestiftet.Seit dem Ryswicker Frieden, nach dessen Bedingungen die Außen-«erke geschleift werden mußten, bedeutet die Befestigung des Orl«wenig, und außer den Begräbnissen der alten Herzöge von Lothrin-gen in der Collegiatkirche St. Georg, und dem Grabmale Karlsdes Kühnen, der 1476 vor der Stadt seinen Tod fand, hat Rancywenige Merkwürdigkeiten. Für die neueste Geschichte ist unterLothringens Städten Lüneville, durch den daselbst zwischen Oe-sterreich und Frankreich am 9. Febr. 180- abgeschlossenen Frieden,am berühmtesten geworden. Jenen Frieden unterzeichneten JosephBonaparte und Gras Cvbenzl. Oesterreich verlor dadurch Belgien,die Grafschaft Falkenstein, das Frickthal und alles was es aufdem Unken Rheinufer zwischen Jurzach und Basel besessen hatte.Es erhielt dafür Jstrien, Dalmatien, die Mündungen des Cattaround Venedig nebst den zwischen den österreich. Erbstaaten, demadriatischen Meere und der Etsch belegenen Ländern u. s. s. Lüne-ville ist an sich eine kleine alte Stadt, die in einer morastigen Ge-gend an der Bezouze liegt; aber sie hat ein prächtiges Schloß,welches König Stanislaus bewohnte, und in welchem auch die Lü-neviller Friedensunterhandlnngcn Statt fanden. rr.
Lotichius (Peter), mit dem Zunamen Secundus, um ihnvon seinem Oheim zu unterscheiden, ward »628 in der Abtei Schluch-tern geboren und trat, nachdem er seine Studien vollendet hatte,1S46 in Militärdienste. Nachdem er auch diese bald wieder ver-lassen hatte, machte er eine Reise durch Frankreich und Italien,ward Doctor der Medicin zu Padu» und dann Professor dieser