864 Lycurgus Lydia
zu verlieren, mindern möchte. In Rücksicht der Gerechtigkeit^pflege setzte er nur wenige Gesetze fest; denn es bedurfte derenwenig, so lange es bei der, durch feine übrncn Anordnungen be-zweckten Mäßigkeit verblieb. Uebrigcns wurden die entstandenenStreitigkeiten entweder vom Könige, oder von der Volksversamm-lung, oder von der Gerusia, oder viclleia-r am häufigsten durchunparteiische nnd billige Würger entschieden. Endlich gehört zuden Einrichtungen Lycurgs, durch welche die Spartaner zu tapfernund furchtlosen Kriegern gebildet werden sollten, auch noch diekriegerische, jedes' Gefühl für Schmerz und die Furcht vor demTode unterdrückende Erziehung der spartanischen Jugend. DerAnfang eines Krieges war ihnen der Anfang eines Festes, unddas Lager der Ort der Erholung. In diesem hörte jedoch alleStrenge der Lebensart auf, die sie zu Hause beobachten mußten;selbst die körperlichen Uebungen verminderten sich. Siegen odersterben war ihr höchster Ruhm; ewige Schmach hingegen traf denFeigen nnd Fliehenden. Jur Erweckung des Muthes der Sparta-ner dienten auch noch die Gesetze, daß Sparta nicht mit Mauer»umgeben, das keine Festungen bestürmt, mit demselben Feinde keinewiederholte Kriege geführt, die geschlagenen nicht zu weit verfolgt,der getödtetc nicht wahrend des Treffens geplündert, und daß dergefallene Held auf eine feierliche und ausgezeichnete Weise begra-ben, und seinem Andenken Bildsäulen, Feste und Tempel errichtetwerden sollten. Uebrigens sollte Sparta, nach Lycurgs Meinung,kein eroberndes Volk werden, welches auch aus dem Verbote er-hellet, Kriegsflotte» zu unterhalten. Als einstens ein spartani-scher König die Argier geschlagen hatte, und die Bundesgenossenihm ricthen, dieses Volk zu unterjochen, antwortete er: „das wäreeine Ungerechtigkeit. Wir führen nur Krieg, um unsere Grenzenzu sichern, nicht aber, ein Land zu erobern, auf das wir keinRecht haben." Diese spartanische Regierungsform des LycurguSist vop einigen der alten Schriftsteller eben so oft getadelt, als ge-lobt worden. Zu den Tadlern gehört insbesondere Plais, der denlycurgischen Gesetzen vorwirft, daß sie, mit gänzlicher Unterdrük-kuna alles Menschlichen, die mechanische Tapferkeit zur ersten Tu-gend erhoben hätten, und daß gerade in dieser Lödtung allerMenschheit der Keim zu allen den unzähligen Uebeln begründet ge-wesen wäre, welche Lacedämon getroffen, und von diesen auch an-dern Völkern zubereitet worden wären. Periceles tadelt beimThucydides, daß die Tugend der Spartaner nur trübsinnignnd einzig auf Furcht gegründet gewesen wäre, und daß die Er-ziehung derselben sie unmenschlich und grausam gemacht hätte.
Lydia, in älter Zeiten Mäonia, eine ansehnliche undfruchtbare Landschaft in Kleinasien, ward an den Küsten nachdem ionischen Meere zu von Joniern bewohnt. Gegen Südenward das Land durch den Mäander (jetzt Mcinder) von Carlengetrennt, gegen Osten grenzte es an Phrygien und gegen Nordenan Mysicn. In den ältesten Zeiten war hier ein berühmtes Kö-nigreich, dessen Gebiet durch den Fluß Halys (jetzt Kizel Jrmak)vom Persischen geschieden wurde. Cyrus überwand den letztenlydischcn König Crösus. Das Land war außerordentlich fruchtbarund die Einwohner, besonders unter diesem Könige, das reichste,aber auch bald nachher das nichtswürdigste und üppigste unterallen asiatischen Völkern. Sie waren die 'Erfinder der weichlichsten