8?4 Lysimachus
Bund gegen Demctrius. Dieser ward darauf in Macedonien,dessen er sich bemächtigt hatte, von Pyrrhus und Lysimachus an-gegriffen, das Land durch die Treulosigkeit der Unterthanen fastohne Schwerdtstreich erobert, und Demetrius genöthigt, in die asia-tischen Provinzen des Lysimachus einzufallen. Er eroberte hierzwar Carien und Lydien, ward aber dennoch in die verzweiflungs-volle Lage gesetzt- die ihm kurz darauf Freiheit und Leben kostete.Lysimachus begann nun, die an Thracien gränzenden Völker zubekriegen und durch ihre Länder seine Provinz zu erweitern. Miteinige» glückte es; als er jedoch die jenseit der Jster wohnendenGeten unterjochen wollte, siel nicht nur anfangs sein Sohn, son-dern , durch die Verratherei eines Ueberläufers, auch am Ende erselbst in die Gefangenschaft derselben. Er mußte sich nämlich mitseinem ganzen Heere ergeben, und seinen Tod erwarten, zu wel-chem die Barbaren mit lärmendem Geschrei ihren König aufforder-ten. Dieser handelte jedoch edler, als der eroberungssüchtige Lysi-machus hoffen durfte: letzterer ward nämlich kostbar auf griechi-sche Weise und aus seinem eigenen prächtigen Hausgeräthe ge-speist, während der König der Geten ganz schlechte Speisen ausirdenen und hölzernen Gefäßen verzehrte. Nach geendigter Ta-fel fragte er den gefangenen König, welche Mahlzeit ihn vor-züglicher dünke, der Geten oder die seiuige? Er ermähnte ihndarauf zum Frieden gegen ein Volk, bei dem so wenig zu gewin-nen wä-e, gab ihm seine Rechte, nannte ihn seinen Freund undentließ ihn ohne Lösegeld. Ein so großmüthiges Benehmen mußteauf einen tyrannischen Eroberer, wie Lysimachus war, Eindruckmachen: er gab dem Könige der Geten die jenseit des Zster er-oberten Länder wieder zurück, schloß einen Frieden mit ihm undgab ihm seine Tochter zur Ehe. Von der Zeit an ward die Machtdes Lysimachus immer ausgedehnter und dieser würde vielleichtseine Länder bis an-seinen Tod in Ruhe besessen haben, wennnicht seine eigenen Familienverhältnisse dem Reiche und endlichauch ihm selbst den Untergang zugezogen hätten. Er hatte sichnämlich, aus ftaatsklugen Rücksichten, von seiner ersten Gemahlingeschieden und die Arsinoe, eine Tochter des Ptolemäus geheirathet,welche ihn zu mancherlei Thorheiten und endlich sogar zum Mordeseines Sohns Agathokles aus der ersten Ehe verleitete. Da letzte-rer nämlich schon Nachkommen hatte, durch welche die Kinder derArsinoe von der Thronfolge ausgeschlossen wurden; so hatte dieseden Untergang desselben beschlossen. Nach andern soll verschmähteLiebe die Triebfeder dieser grausamen Handlung gewesen seyn.Da Agathoklcs, seines vortrefflichen Charakters wegen, viele undbedeutende Freunde gehabt hatte; so schwuren diese dem grausa-men, schwachen Lysimachus Rache. Sie flohen zum Seleucus undreizten diesen zum Kriege gegen ihn auf. Seleucus eroberte, fastohne Schwerdtstreich, ganz Kleinasien; und in Phrygie» am Helle-sponte kam es zwischen ihm und Lysimachus zu einem Haupttres-sen , in welchem dieser zwar einen tapfern Widerstand leistete,aber am Ende doch völlig aufs Haupt geschlagen wurde und end-lich gar sein Leben einbüßte. Lange blieb der Körper desselbenungesucht auf dem Schlachtfelde liegen und würde auch, da er mitden übrigen Leichnamen bereits in Fäulniß übergegangen war,nicht aufgefunden worden sein; aber die Treue eines Haushundes,der seinen Gehietex auch im T?de nicht verlassen hatte, mußte zur
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