Manutius
den find. Die Beurtheilung des Alters der griechischen Manuskriptenach den Schriftzügen ist schwerer, als die der lateinischen. Nurso viel läßt sich von ihnen hier im Allgemeinen bemerken, daß dieZüge einer-griechischen Handschrift desto leichter, gefälliger und flüch-tiger sind, je äiter sie ist, daß sie.aber im Fortgehn der Jahrhun-derte immer steifer werden. Der Mangel oder das Daseyn dergriechischen Accente ist unbestimmt und entscheidet Nichts. Übrigenswird man nicht leicht ältere griechische Handschriften, als aus dem7ten, höchstens 6ten Jahrhundert finden. Die Schriftzüge der latei-nischen Manuskripte hat man theils nach der Größe oder Kleinheitderselben (Majuskeln, Minuskeln^, theils nach der verschicdncnGestalt und dem Charakter, welche ste bei verschicdnen Völkern oder ingewissen Zeiträumen annahmen (sciiprurs li»»,-,»» antigua. lVlero-vingics, I.oiiAodisrüic» , LsroiiNßicL src., wozu seit dem I2tenJahrhundert die sogenannte gothische kam, welches eine künstlichabgeschürfte und eckige Minuskel ist), eingetheilt, und bei jederdieser Schriftarten wieder einzelne Regeln festgestellt, nach welchenman das Alter einer Handschrift beurtheile» kann. Wegen ihrerMenge können nur folgende allgemeinere hier erwähnt werden.Bor dem 8ten Jahrhundert wird Man selten Interpunktionen an-treffen, auch nach eingeführter Punctarion können aus dem rzten undden folgenden Jahrhunderten noch Manuskripte ohne Interpunktion,aber mit Absetzen der Worte vorkommen. Handschriften, die keineCapitel- oder andre Abtheilungen haben, sind immer alt; der soge-nannte Custos, Wurm, oder die Wiederholung des ersten Wortsdes folgenden Hefts am Ende des vorgehenden, gehört in das i^teund spätere Jahrhunderte. Je wenigere und leichtere Abbreviatu-ren eine Handschrift hat, desto älter ist sie. Endlich häng?» in denältesten Handschriften die Worte gewöhnlich ohne alle Abtheilungununterbrochen an einander; erst seit dem yten Jahrhundert ist dasAbtheilen der Worte zum allgemein herrschenden Gebrauch geworden.Auch die Gestalt der arabischen Ziffern, welche man im Allgemeinenzuerst in Manuskripten aus der ersten Hälfte des izten Jahrhun-derts findet, trägt zur Beurtheilung des Alters einer Handschriftbei. Verschiedne Manuskripte haben am Ende eine deutliche Bestim-wung, wann, gewöhnlich auch, durch wen sie geschrieben wordenfind (datirte Codices). Doch muß Man die Richtigkeit dieser Un-terschriften nicht gleich für erwiesen annehmen, da sie oft bloß dieAbfassung des Buchs anzeigen, oder sich bloß auf einen Theil derHandschrift beziehen oder gar erdichtet sind. Welches die ältestenoch vorhandnc Handschrift sey, läßt sich nicht bestimmen; nur soviel ist gewiß, daß, auch seitdem wir die Proben der herculanischenManuskripte habe», alle unsre Handschriften nicht über das erstechristliche Jahrhundert Hinausreichen. Übrigens ist noch zu bemer-ken, daß man im Mittelalter ganze auf Pergament geschriebn« Bü-cher auslöschte und abkratzte, um neue darauf zu schreiben, die unterdie Seltenheiten gerechnet werden (coüioes ivsciipti, rasi-. Dochhörte dieser Gebrauch im igtcn Jahrhundert auf, wahrscheinlichweil nun das Papier mehr aufkam. — Das beste Handbuch überdiese ganze Materie ist: I). Aug. Friedr. Pfeiffer über Bücher-Handschriften überhaupt. Erlangen iglo. 8. L—s.
Manutius (Aldus, Paulus und Aldus), eigentlich Manuzio^>cr Manuzzi, Bater, Sohn und Enkel, drei in der Geschichte derVuchdruckerkunst und überhaupt der Gelehrsamkeit höchst ausaereich-?o»». (N. Bufl.) >'i. 7 '