Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
108
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128 Marchesi Marcolini

Marchesi (Luigi), auch Marchesini genannt, einer der be-rühmtesten Sopranistcn, war um das I. 1755 zu Mailand gebo-ren. Schon in der zartesten Kindheit zeigte er sich als Virtuosenauf dem Waldhorn; allein von Kunstverständigen aufgefodert, ver-ließ er heimlich seinen Vater, ging nach Bergamo und unterwarfsich hier der Operation. Ungeachtet er hier vielfältigen Unterrichtgenoß, so scheint er doch seine höchste Bildung in Deutschland und zwarin München, wohin er von 1775 bis 1777 ging, erhalten zu ha-ben; denn als er von dort in sein Vaterland zurückgekehrt war,erregte er allenthalben Erstaunen und Entzücken. Besonders wurdeer 1779 zu Florenz und 1780 zu Mailand mit dem höchsten En-thusiasmus aufgenommen, und 1782 mit einer Denkmünze beehrt,welche die Akademie zu Pisa ihm zu Ehren hatte prägen las-sen. In Turin, wohin er mit tausend Ducaren Gehalt berufenwurde, bot ihm der Kaiser von Rußland als Großfürst bei seinerdamaligen Anwesenheit gocx, Ducaten Gehalt, wenn er ihm nachPetersburg folgen wgflte; dennoch scheint er diesem Ruf erst.1786(nachdem er sich zu Rom. Lucca und auch 1785 zu Wien hören las-sen) gefolgt zu seyn. Berlin hörte ihn 1787, und im folgendenJahre war er zu London, wo er von den Unternehmern der italie-nischen Oper für einen Winter 1500 Ps. Sterling, eine Benefiz-vorstellung, und freie Station erhielt. Seine Stimme wurde alsüberaus rein und hell bewundert; >in Ansehung des Vortrags zogman ihn noch dem Farinelli vor. Dabei rühmte man seine Dekla-mation und Action, so wie auch seine Einsichten in die Musik. Erstarb 1792 z» Mailand.

Marcolini (Camillo, Graf), königlich sächsischer Cabirrets-minister, starb, 76 Jahre alt, im I. 1814 zu Prag. Über das Le-be» dieses in der sächsischen Geschichte denkwürdigen Hofmannes ist we-nig Beglaubigtes öffentlich vorhanden. Als Günstling des KönigsFriedrich August hatte er Einfluß auf den Hof und auf das ganzeLand. Je höher er von Stufe zu Stufe stieg, und je länger erdas Vertrauen seines Gouverains besaß, desto strenger beurtheilteihn die öffentliche Stimme. Aber selbst seine Feinde bekennen,Graf Marcolini war ein Mann von großem natürlichen Verstände,richtiger Urtheilekraft, vieler Erfahrung, sichrem Tact, treuer Er-gebenheit gegen den König, und ohne Falsch; für einen Günst-ling wahrlich ein großes Lob. Er stammt aus einem italienischenGeschlecht. Als jüngster Sohn des Hauses war er ohne Vermögen.Er wurde in Dresden als churfürstlicher Edelknabe erzogen, wo erin den nächsten Umgebungen des damaligen Churprinzen und nach-maligen Königs Friedrich August sich befand. Seine äußre Bil-dung, sein gesundes Urtheil und sein gerades Wesen, verbunden mitjener feinen Biegsamkeit des Italieners, gewannen ihm bald dieZuneigung des Eburprinzen. Er wurde beim Austritt aus demBagenhause Kammerjunker, blieb fortwährend in Hofdiensten, er-vielt endlich die bedeutende Stelle eines Kämmerers, wodurch meh-rere Hofstäbc und die Gallerien unter seine oberste Leitung kamen.Zugleich erhielt er den Rang eines wirklichen geheimen Raths, wardDirector der Porccllanmanufactur, Generaldirektor der Künsteund Kunstakademien in Sachsen, Oberstallmeister, und nachdem derpofener Friede den Eatholiken gleiche bürgerliche Rechte mit denLutheranern ertheilt hatte, Eabinetsminister, ohne jedoch als Staats-secretär eine» besondern Departement vorgesetzt zu seyn. Die letz-