Marcolini ivß,
tere Ernennung machte Aufsehn, weil Graf Marcolini nie ein ei-gentliches Staatsamr bekleidet, auf alle Staatsgeschäfte also bishernur mittelbaren Einfluß gehabt hatte. Beim Hofstaate selbst konnteohne ihn und gegen seinen Willen nichts geschehn. Der König hörteund achtete seinen Rath; und seit des Ministers Gukschmid Todebesaß kein Minister in dem Grade die persönliche Achtung und dasVertrauen des Königs. Um ihn herum bildete sich daher ein be-sonderer Hos; und die ersten Staats - und Militärbeamten schloffensich an den klugen und mächtigen Hvfmann an. Er mißbrauchtesein Ansetzn nicht. Zwar erwarb er ein ansehnliches Vermögen; al-lein seine vielen, einträglichen Hofämter, und seine italienischeHaushaltungskunst erklären dies auf eine unverdächtige Weise.Dem Herkommen gemäß, behielt er seinen als Page gezognen Kam-merjunker-Gehalt von Zoo Thlr. jährlich bis zum I. 181Z. Auchwaren seine Häuser in Dresden von der Einquartierungslast frei,weßhalb seine Erben einen beträchtlichen Nachschuß zahlen mußten.Auch erbte er/ da seine ältern Bruder starben, die große Majorat-herrschaft Fano in Italien. So schlicht und einfach sein Äußereswar, so wenig handelte er als Hof- und Staatsdiener leidenschaftlich;er war ein Feind der Ungerechtigkeit; er kannte die Menschen, undbehandelte sie ohne Günstlingsstolz, mit gutmüthiger Würde. Warer spröde in Versprechungen, so war er noch karger in Bewilligun-gen; und eine gewisse Kälte, wo nicht Härte verwundete zuweilendie Bittenden. Auch will man öfters Vorliebe für Italiener undFremde, so wie die Einwirkung der Geistlichkeit in seinen Ent-schließungen wahrgenommen haben. Auf das politische System desKönigs hatte er anfangs einen entschiednen Einfluß; doch war erzu erfahren, als daß er nicht im Frühjahr i8iZ selbst geschwanktund die Trennung von Frankreich und dem Rheinbünde für noth-wendig erachtet hätte. Die ihn genau beobachteten, versichern, ersey dem System Napoleons nicht aufrichtig ergeben gewesen. Indeßwurde erGroßadler der kaiserl. Ehrenlegion; auch erhielt erden sächsi-schen Orden der Rautenkrone, und den kaiserl. russischen St. Andrcasor-den. Als die Verwaltung des Königreichs Sachsen vom Fürsten Repntnangetreten wurde, erhielt Graf Marcolini den Befehl, sich nachBautzcn zu begeben, und von da die Erlaubniß, in Prag seinenAufenthalt zu wählen. 2 « der geheimen Geschichte des dresdnerHofes war leine Rolle die erste, die wichtigst« und die dauerndste.Ran erzählt, daß er durch die vom preußischen Hof« zuerst demChurfürsten mitgetheilte Entdeckung der gegen die Person des Chur-fürsten gerichteten Hofintrigue, in welche der sächsische Oberst Agdelo,ein geborner Italiener, verwickelt war, der zeitlebens als Staats-gefangner auf die Festung Königsstein kam, zuerst das unerschütter-liche Vertrauen seines Souverinns sich erwürben habe. Auch hatte» den Charakter des Königs ganz studirt, und richtete sich in derRegel stets nach dessen Ansichten; daher liebte er keine NeuerungenUnd ließ Alles so lange als möglich in dem gewohnten Gange fort-setzn; doch war er einleuchtenden Verbesserungen, vorzüglich imÖkonomischen nicht entgegen. In den letzten Jahren machten seinAlter und die schwierigen Verhältnisse des Staats durchgreifendeAbänderungen in allem, was unter seiner Direction stand, unmög-lich. Unter ihm standen eine lange Zeit und zum Theil bis zumJahr igiz, die königliche Bibliothek, das grüne Gewölbe und dieKunstschjtze, oder die Cabinstter und Gallerten, das Ober-Stallamt