Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
180
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i8c> Matrize Matthäus

das Verzerchniß der Eingepfarrtcn einer Kirche, so wie der Gelauf.ten, Gestorbnen, Getrauten, auch der bei einer Pfarre bemid!,-chen Einkünfte; ferner die Reichsmatrikel, ehedem das Lsr-zeichnifi aller Stünde des deutschen Reichs nach ihrer Ordnung undihrem Vermögen. Daher Matricular-An schlag, die Bestim-mung dessen, was ein Reichsstand zu den allgemeinen Bedürfnisse»beizutragen hatte.

Matrize heißt eigentlich bei Schraubenwcrken die Mutteroder das Stück, in welchem die Spindel auf- und abgebt; bei de»Schriftgiessern heißt es die kupferne Form, worin Buchstaben abge-gössen werden.

MatthLi (Friedrich), geboren in Dresden um 1775, S°h»des Bildhauers und jetzigen Jnspectors über das dortige mengsischeGypscabinet, bildete sich zur Kunst unter Anleitung seines Vaters,und auf der dasigen Akademie unter Casanova. Im Jahr 17c/,wurde er zum Pensionär dieser Akademie aufgenommen, und tratum diese Zeit mit einem sein Talent zur Kunst bewährenden Ge-mählde, das Urtheil des Paris vorstellend, auf. Nach Casanova'sTode ging er nach Wien und setzte seine Studien auf der Akademiedaselbst unter Füger mit großem Fleiße fort. Bon dort aus sen-dete er zwei Gemählde, beide mit halben Figuren, den Ceto vc»Ntica und den Brutus, dem sein böser Genius erscheint, nachDresden, welche auf der Kunstausstellung mit vielem Beifall be-trachtet wurden. Noch mehr Lsbsprürhe erhielten seine im Jahrigoo aufgestellten Gemählde, Castor und Pollux, und eine Sceneaus der Sündfluth nach Geßners Dichtung. Im Jahr 1802 ver-ließ Matthüi Wien, um stch in Italien nach den Meisterwerke»der Kunst weiter auszubilden; er blieb zuerst einige Zeit in Fl«<renz, und lieferte zu der dortige» Pceisvcrtheilung im Jahr 1S0Zein Gemählde, welches denselben Gegenstand, wie das letzterwähntebehandelt. Er erwarb stch durch dasselbe nicht allein den erste»Preis, sondern wurde auch zum Professor honorarius der Akademieernannt. Späterhin sendete er uns Italien mehrere Gemählde »achDresden, die daselbst öffentlich ausgestellt waren; besonders groß!»Beifall erhielt im Jahr 1807 seine Ermordung des ÄgistuS, undseine Copie -einer Grablegung Christi von Rafael, welche erim folgenden Jahre bei seiner Rückkehr in sein Vaterland mit-brachte, im Jahr 1812 aber ein dort ausgestelltes Gemählde, Chri-stus , der die Kinder segnet. Matthäi ist seit iLoy Professor a»der dresdner Mahlerakademie. Wenn auch die von ihm erschienene»Werke nicht von gleichem Gehalt sind, so bewahrten doch schon diefrühesten Arbeiten seinen Beruf für die Kunst, seine Liebe zu der-selben und seinen Fleiß. Man rühmte darin besonders die Com-position, die richtige Zeichnung und großartige Draperie, vorallem aber sein Colorit, welches sich der alten florentinischen Schultnäherte. Eine gewisse Härte und Kälte, ein Mangel an Anmuthund tiefem Gefühl wurde an denselben damals gerügt, allein anfeine» neuern Arbeiten hat man diese Mängel weniger bemerkt, undsie in aller Art lobenswert!) befunden. Auch im Leben zeichnet sichdieser Künstler als ein unterrichteter, durch Reifen gebildeter, undim Umgang höchst angenehmer Wann Vortheilhast aus.

Matthäus, der Evangelist und Apostel, war vor seiner Be-rufung zu diesem Amte ein Üntereinnehmer bei dem römischen Zollam See TiberiaS und der Sage nach aus Razareth gebürttz. Die