Mathildis Matrikel 179
diese Wissenschaft nie sonderlichen Eingang gefunden, um so mehraber bei den Arabern, wo sie vorzüglich vom roten bis zu Endedes raten Jahrhunderts blühte, und von denen die Trigonometrieund Algebra erfunden wurde. Von hier drang sie durch die Nachtder Barbarei auch endlich nach Europa, wo sich schon im iZtenJahrhundert König Alphons von Castilien durch die Herausgabeder alphonsinischen Tafeln von mehrern Gelehrten, die er an seinemHofe versammelt hatte, bleibende Verdienste um die Mathematikerwarb. Im igten Jahrhundert betrieben sie zuerst in DeutschlandJohann von Gmünden, Peurbach, Ragiomontan mit vielem Eifer,von welcher Zeit an sie schnelle Fortschritte machte, so daß dasibte Jahrhundert schon mehrere vorzügliche Mathematiker, wieCardanus, Vieta, Ludolph van Ceulen, Peter Nunez, JustusByrge u. A. auszuweisen hatte. Doch erst das 17t« und i8te Jahr-hundert zeichneten sich durch glänzende Entdeckungen aus: daserstere durch Erfindung der Logarithmen, der D ifserenzial-und Integralrechnung, durch Männer, wie Galiläi, Lori-celli, Pascal, Descartes, L. Hospital, Cassini, Huyghens, Neper,Harriot, Wallis, Barrow, Newton, Halley, Leibnitz, Jacob undJohann Bernoulli und viele Andre; das i8te Jahrhundert durchErfindung der Combinationslehre und der Variations-rechnung und durch große Vervollkommnung aller Theile der Ma-thematik, durch einen Manfredi, Ricoli, Nicol,. und Dan. Bernoulli,Leonh. Euler, Maclaurin, Taylor, Bradley, Moiven, Clairaut,d'Llembert, Lambert, Tob. Mayer, Kästner, Hindenburg, LaGränze, La Place, Le Gendre, Gauß und mehrere noch Lebende,durch deren Bemühungen die meisten einzelnen Theile der Mathema-tik zu einem hohen Grade der Vollkommenheit gelangt sind. 1 ^.
Mathildis, Markgräfin von Toscana, geboren iou.6, wareine Tochter des Marquis Bonifaz von Toscana und vermahlte sichmit Gottfried dem Buckligen, Sohn des Herzogs von Lothringen.Aber sie lebten fast beständig getrennt. Mathildis mochte das schöneClima Italiens nicht mit einem nordischen Himmel vertauschen.Nachdem sie in ihrem dreißigsten Jahre Witwe geworden, trat sieauf die Seite derPäpste Gregor Vll. undUrban ll gegen den KaiserHeinrich IV-, ihren Vetter, und trug bedeutende Vortheile überdiesen Fürsten davon. Vermöge eines förmlichen Testaments ver-machte sie alle ihre Besitzungen dem heiligen Stuhl. Sie besaßToscana, Mantua, Parma, Reggio, Piacenza, Fcrrara, Modena,einen Theil von Umbrien, das Herzsgthum Spoletro, Verona, fastalles, was heutiges Tags das Patrimonium Petri ausmacht, vonViterbo bis Orvieto, mit einem Theil der Mark Ancona. Als abernach ihrem !im Jahr 1115 erfolgten Tode der Papst Pascal IH.sich dieser Länder bemächtigen wollte, widersetzte sich ihm der Kai-ser Heinrich IV., indem er behauptete, daß die meisten Länder derGräfin Lehen des Reichs wären. Diese Streitigkeiten gaben zuneuen Kriegen zwischen dem Reich und dem Papst Anlaß, welcheendlich damit endigten, daß ein Theil der Erbschaft der GräfinMathilde dem heiligen Stuhl überlassen wurde.
Matrikel heißt eigentlich jedes förmliche schriftliche Verzeich-nis gewisser Personen, welche zu Einem Stande gehören. So istalso bei der Universität die Matrikel das Verzeichnis, worin dieStudenten bei ihrer Aufnahme als Bürger der Universität eingetra-gen werden; bei den'Soldaten die Musterrolle; bei den Geistlichen