Band 
Sechster Band. M und N.
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Mazarin 223

schule u. s. w. Bon Antiquitäten bemerkt man vorzüglich dasblonuineiitllm Drusk oder den Eichelstein nahe am Walle vorMaynz. Die Universität, welche 1477 gestiftet und 1746 mit neuenEtatuten und Privilegien, ingleichcn mit einer schönen Bibliothek,medicinischem Garten und anatomischem Theater versehn und vondrm Churfürsten Friedrich Carl so verbessert worden war, daß 1784eine feierliche Jnstauration derselben Statt fand, ward 17Y8 vonden Franzose» in eine Centralfchule und 1802 diese in ein Lyceumverwandelt. Im Jahr 1803 wurde hier eine von den fünf großenArzncischnlen Frankreichs angelegt. Die bei Maynz über den Rheingehende Schiffbrücke, welche 450 Schritte lang ist, führt zu demgegenüberliegenden Städtchen Cassel. Nach dem pariser Friedenwurde Maynz, das bisher blockirt gehalten worden , an die Deut-schen übergeben, und ist jetzt von Preußen und Österreichern be-setzt. Der wiener Congreß wird das künftige Schicksal von Maynzbestimmen.

Mazarin (Jules), geboren zu Piscina in Abruzzo im I.1602, »ahm, nachdem er zu Alcala de Hcnares die Rechte studirtund promovirt hatte, unter den päpstlichen Truppen Kriegsdienste.Er befand sich mit seinem Corps im Bcltlin, als ihm sein General,Torquato Conti, auftrug, zu unterhandeln, sey es nun mit demHerzog vom Feria, Gouverneur von Mailand, sey es mit demfranzöiischen General d'Eströes, Marquis von Coeuvres. Der Nun-cius Bagni, der rü2S nach Frankreich gekommen war, stellte Maza-rin dem Könige und dem Cardinal Richelieu als einen ausgezeichne-ten Mann vor. Als der Krieg über die Erbschaft des HerzogthumsAantua ausgcbrochen war, hatte Mazarin als päpstlicher Ministermehrere Zusammenkünfte mit Richelieu und begab sich selbst nachGrenoble zu Ludwig XI!k. Vermöge seiner Verbindungen mitFrankreich und Spanien war er geschickt, zwischen beiden znm Unter-händler zu dienen. Die Franzosen, welche vor Casal standen, wa-ren im Begriff, die Feindseligkeiten zu erneuern und waren nurnoch 500 Schritte von den spanischen Linien, als Mazarin, mit.einem Tuche winkend ihnen mit dem Zuruf entgegenkam: „Friede!Friede! Macht Halt da!" — Er erklärte, unter welchen Bedingun-gen man bereit sey, Casal zu räumen; die französischen Anführernahmen sie an. Durch diese Unterhandlung erwarb er sich dieFreundschaft Richelieu^ und das Wohlwollen Ludwigs Xlil. Die-ser Fürst ließ ihn von Urban VHk zum Cardinal erheben, undernannte ihn nach Richelieu's Tode zum Staatsrath und einem derBellzieher seines Testaments. Als Ludwig Xlll. ein Jahr daraufgestorben war (1643), übertrug ihm die Königin Anna von Öster-reich als Regentin die Regierung des Reichs. Mazarin wurde da-mals allgemein für den Geliebten der Königin gehalten, und Einigehaben aus dieser Vertraulichkeit den Ursprung der eisernen Maske(s- b.) ableiten wollen. Er trat anfangs mir vieler Bescheidenheitund Einfachheit auf, ohne allen äußern Pomp, selbst ohne Traban-ten. Aber ungeachtet dieser Mäßigung, die nicht von Dauer war,bildete sich eine mächtige Partei gegen ihn. Man haßte ihn schon«ls Ausländer auf dem höchsten Posten, und machte seine Person,seine Sitten, seine schlechte Aussprache lächerlich. Überdies sellfztedas Volk unter schweren Abgaben. Diese Umstände machten es demDuc de Beaufort, dem Coadjutor von Parks, dem Prinzen vonConti, der Ducheffe de Longueville leicht, einen Boiksaufstand zu