Mela Melancholie 23/
Mela (Pomponius), war nach seiner eignen Angabe z» Tin-zentera in Spanien geboren, und wird für einen Sohn des Mar-kus Seneca gehalten. Er lebte unter dem Kaiser Claudius (41I. nach Chr. Geb.) und scheint unter Nero, vielleicht eines ge-waltsamen Todes, gestorben zu seyn. Wir haben von ihm in ei-nem schönen, kurzen und deutlichen Styl eine Erdbeschreibung un-ter dem Titel: 14s situ arbis I-ilol). III.
Melampus, des Amythaon und der Jdomene Sohn, ist imAlterthume als Arzt und Wahrsager berühmt. Seinen Namen,der einen Schwarzfüßigen bezeichnet, soll er daher erhalten haben,weil seine unbedeckt gebliebnen Füße von der Sonne ganz schwarzgebrannt wurden, als seine Mutter ihn als kleines Kind ausgesetzthatte. Wie! Wunderdinge erzählt die Fabel von seiner Heil- undWahrsagerkunst. Als nämlich ein Paar Schlangen, welche erjung in seinen Schutz genommen und aufgezogen hatte, einst, wah-rend er schlief, seine Ohren geleckt hatten, bemerkte er, daß siedadurch geöffnet worden, so daß er nun die Stimmen der Bögelverstand und alles, was diese den Menschen über die Zukunft an-deuteten, ihnen entdecken konnte. Die Zeit, wann er gelebt, istunbekannt; allgemein aber wurde er für einen weisen Mann ge-halten; der die ganze Mythologie inne gehabt, auch mehrerer Göt-ter Dienst, so wie die eleusinischen Geheimnisse nach Griechenlandgebracht habe. Deßhalb er auch nach seinem Tode göttlich verehrtwurde.
Melancholie, eine Seelenkrankheit (psychische Krankheit),welche in die Classe der Gemüthskrankheiten gehört. Sie bestehtdarin, daß eine fixe, traurige Idee sich des Gemüths des Men-schen so ausschließlich bemächtigt, daß ihm allmälich die ganze übrigeWelt entschwindet, und die andern Vermögen der Seele in ihrenVerrichtungen gestört werden. Das Gemüth, als das Vermögender Seele, ihren eignen innern, angenehmen oder unangenehmenZustand zu fühlen, oder die innern Empfindungen wahrzunehmenund ihnen gemäß das Begehrungsvermögen zu erregen, wird durchbesondre Stärke derselben, die sich als Leidenschaften und Affectedarstellen, so in seiner Ruhe und in seinem regelmäßigen Verbält-uiffe gegen die andern Seelenkräfte gestört, daß seine Thätigkeitgegen die andern die Oberhand erhält. Da nämlich Vorstellungenvon Empfindungen viel lebhafter sind, als abstracte Vorstellungen,so werden diese durch jene verdunkelt, die Empfindung behalt dieOberhand, die Thätigkeit des Verstandes, der Urtheilskraft undder Vernunft wird geschwächt. Die bis zum Affect gesteigerte in-uere Empfindung ist entweder angenehm oder unangenehm, traurig«nd niederschlagend. Diese traurigen Affecte haben eine schwä-chende, ja gleichsam lähmende Wirkung auf die Seele. Steigen siebis zu dem Grade, daß die Vernunft sie nicht mehr beherrschenkann, so wird dieser Zustand Trübsinn, Schwermuth. Noch be-sieht aber hierbei die Freiheit des Bewußtseyns; der Mensch weißes und kennt seinen Zustand. Geht auch die Freiheit des Bewußt-stes verloren, wird der Zustand anhaltend, so ist es Melancho-lie. Der Melancholische weiß also nicht, daß er melancholisch ist;er weiß von allem, was ihn umgibt, nichts mehr; er siert esAhl, aber es kommt nicht zum Bewußtseyn bei ihm. Er hat dieAsE außer sich verloren, er hat sich selbst verloren, er lebt nursich; in dem Cirkel einer einzigen traurigen stritten Idee dreht