Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
250
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rza Melodrama

v.on unbestimmten Formen, zwischen die Perioden und Redest«eingeschoben wird, um die Empfindungen die sich durch die Dekla-mation aussprcchen, auszudrücken und zu verstärken. Wenn wireinen Bück auf den ausgezeichneten Beifall werfen, welchen dirbeiden oben erwähnten Melodramen, Ariadne und Medea, zurZeit ihrer Erscheinung in einem so hohen Maße erhielten; so müs-sen wir allerdings erstaunen, daß diese Gattung dramatischer Kunst-werke späterhin so wenige Nachahmer gefunden hat, daß überhauptder fernere Beifall, den sie erhalten haben, so überaus gering gewe-son ist. Wenn wir nun vollkommen davon überzeugt zu seyn glau-ben, daß der Beifall oder das Mißfallen einer ganzen Nation altein unfehlbarer Ausspruch »on dem Werthe eines Kunstprodukts zubetrachten ist, und uns die Erfahrung lehrt, daß die Melodra-men in Deutschland keinen bleibenden Erfolg gehabt haben; so wer-den wir gezwungen, anzunehmen, daß die Melodramen in sich selbstder Vorzüge entbehren, durch welche sie in den Stand gesetzt wer-den könnten, jenen Beifall der Nation sich auf Jahrhunderte zuverschaffen. Wo liegt nun aber der Grund, warum die Melodra-men, ihrer Natur »ach, außer Stand gesetzt sind, eigentliches wah-res dramatisches Interesse zu gewähren? Wenn wir zuvörderst denmechanischen Bau der Melodramen, wie deren jetzt einige vorhan-den sind, betrachten; so werden wir finden, daß eine einzige Persondurchaus außer Stande ist, eine dramatische Handlung zu beginne»,sie durch alle, an das zu gewährende Interesse nothwendig geknüpfteVerwicklungen durchzuführen und endlich zur vollkommnen Befriedi-gung derZuschauer in sich harmonisch zu beenden. Um einem solche» noth-wendigen Übelstande wenigstens in etwas zu begegnen, hatman den Melo-dramen statt der dramatischen Natur, die ihnen abgehen mußte, einedurchaus lyrische Haltung zu geben gesucht. Hieraus entsteht nunaber der grelle Widerspruch, daß wir stets Empfindungen und Ge-fühle vor Augen haben, ohne daß jedoch die Handlungen, durchwelche sie erzeugt werde», zu unsrer Kenntniß gelangen. Wir sehe»Wirkungen, ohne die Ursachen davon zu erfahren. Es bedarfkeines Beweises, daß ein solches Werk, dem stakt der dramatische»Handlung nur stets Gefühle und Empfindungen untergeschoben wer-den, seines Mangels an innerer Haltung wegen auf gar kein N-teresse Anspruch machen könne. Anders verhalt es sich mit den Duo-dramen, weil bei zwei handelnden Personen die Möglichkeit, ein!dramatische Handlung gehörig zu beginnen, zu verwickeln und z»vollenden, schon größer ist. Aber auch hier wird ein ausge-zeichnetes Talent dazu crfodert, ein Drama zu verfertigen, dessenmechanische Hülfsmittel selbst bei zwei Personen immer noch sehrbeschränkt sind. Hiezu kommt noch eü!e andre Schwierigkeit, dr«nicht zu übergehen ist. Man hat nämlich bisher geglaubt, diese»Mono- und Duodramen einen ernsten Charakter geben zu müsse»,um somit dem Componisten durch die mit diesem Charakter nothwen-dig verbundne Lyrik hinlängliche Veranlassung zur Mahlerei derGefühle und Leidenschaften zu geben. Da nun aber der ernste Cha-rakter einer solchen Inrischen Handlung durch die in ihr wohne»»!Einheit an äußerer Bewegung nothwendig sehr beengt seyn mu?,und dieser Mangel an Bewegung durch die eben so nothwendig be-schränkte Handlung einer oder zweier Personen nicht gehoben werde»kann; so ergibt sich daraus, daß ein ernster Inhalt für diese Arrdramatischer Arbeiten durchaus und gänzlich unstatthaft seyn musst-