Melpomene Melzi d'Erile 251
Man scheint dies in so fern schon beherzigt zu haben, als man denJntermezzo's und ähnlichen dramatischen Produkten mit Musik, welchedoch im Allgemeinen mit den Melodramen wohl verglichen werdenkönnen, einen komischen Charakter gegeben hat. Dies scheinen unsdie Mängel zu seyn, die in der Poesie dieser Products selbst begrün-det sind. Ein andrer unnatürlicher Verstoß gegen das nothwendigzu erregende Interesse, welcher jenen Mängel» der Poesie durchausgleich kommt, oder sie vielmehr noch übertrifft, liegt in der Art undWeis«, wie man die Mrisik zu diesen Melodramen bisher behandelthat. Ist es möglich, daß selbst das Genie eines Mozart im Standewäre, für die stete Zerstückelung, welche nun einmal den Charakterder Musik eines Melodrama'L ausmacht, zu entschädigen? Wer, derdurch Studium zu einem richtigen Geschmack gelangt ist, vermöchtean jenen stets gewaltsam abgerißnen, im Charakter sich fast immereiner dem andern widersprechenden, musikalischen Sätzen, selbstwenn sie an und für sich die vortrefflichste» und kunstreich ausge«führtest?» Gedanken enthielte», Gefallen zu finden? Der Dichter sol-cher Melodramen glaubt nämlich, dem Komponisten nicht genügsameGelegenheit zur Cmtwickelung seiner Kunst zu geben, wenn er nichtfleißig die Empfindungen csntrastirt und sie unter einander sichselbst bestreiten läßt. Dadurch entsteht nun natürlich ein solcher MangelanjEinheit in der musikalischen Darstellung, daß fast jeder musikalischePerioden, der die Declamation unterbricht, einen von dem andern ver-schleimen und sich unter einander vernichtenden Charakter zur Erschei-nung bringt. Aus allen diesen angeführten Gründen geht nun hervor,daß das sogenannte Melodrama, insbesondre seines musikalischenTheils wegen, für eine gänzlich unnatürliche und deßhalb unstatt-hafte Gattung dramatischer Products zu erklären ist, über derenUnwerth auch der Erfolg, dessen sie sich.bis hicher zu erfreuen ge-habt haben, hinlänglich entschieden hat. Überhaupt aber steht wohlnicht zu befürchten, daß dieseGattung von Schauspielen von neuem bear-beitet werden dürste, da diejenigen Products derselben, welche nochdann und wann auf unsern Bühnen erscheinen, ihre augenblicklicheExistenz dem Spiele eines Lieblings - oder Gastschauspielers zu ver-danken haben, das Publicum aber an den Stücken selbst und derenMusik auch nicht den geringsten Antheil nimmt. kg.
Melpomene, die Muse des Trauerspiels. Sie wird abge-bildet mit einer ernsthaften Larve, wohl auch mit einem Dolch oderCypreffenzweig in der Hand. (Vergl. Musen.)
Melzi d'Erile, Duca di Lodi, aus einer edeln spanischenFamilie entsprossen, hatte sich seit lange in Mailand niedergelassen,zeigte sich als Parteigänger der Franzosen bei ihrem Einmärsche indieses Land und wurde zum bevollmächtigten Minister der cisalpi-»ischen Republik bei dem Congreß von Rastadt ernannt, wo ereine ausgezeichnete Rolle spielte. Er war es, der dem GeneralBvnaparte die Schlüssel von Mailand überbrachte, als er an derSpitze der Armee seinen Einzug in diese Stadt hielt. Nachherspielte er eine wichtige Rolle in der Consulta zu Lyon i8»2, undwurde zum Vicepräsidenten der neuen Regierung der italienischenRepublik ernannt. Er bekleidete diese Stelle bis znm I. 1805,wo die Republik in ein Königreich umgeschaffcn wurde. Nach derKrönung Napoleons zum König von Italien ward er zum Kanz-ler-Siegelbewahrer ernannt, und empfing im Z. i 8 c >3 den Titel eines