Band 
Sechster Band. M und N.
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Mimik 3Z3

wandt, an sich zöge, zum Theil sich selbst davon ernährte, wovondie dunkle Farbe der Milz herrühre, zum Theil in den Magen«nd die Gedärme ausleere. Wenn nun in der Milz die fchwarz-gallichten dicken Gäste sich anhäuften, ohne Abgang zu haben, sotlltslä'.ioe Verstopfung, Verhärtung und Skirrhvsitüt derselben, dasBlut selbst würde von diesen Säften nicht mehr gereinigt, be-schwerte das Gehirn, und so entstände zunächst die Krankheit, die sie Milz-sucht nannten, mit Angst, Traurigkeit, wunderlichen trübsinnigen Ge-danken verbunden wäre, und endlich in Melancholie überginge, Ll.

Mimik bedeutet in der Schauspielkunst die Kunst, durch künst-liche Erschaffung der Mienen diejenigen Leidenschaften, die der Schau-spieler hat künstlich in seiner Seele entstehen lassen, äußerlich nach-zumachen und auf eine solche Art darzustellen, daß der Zuschauersagen muß, diese Leidenschaft würde, wenn sie wirklich auf eine ähn-liche Weise in der Natur erschienen wäre, sich gerade unter diesenäußern Gebehrden und unter keinen andern geäußert haben. Nur inso fern der Schauspieler im Stande ist, diese Gebehrden, wie sie sichin der Natur zu zeigen pflegen , bei der Darstellung künstlich nachzu-machen, nur in so fern kann er auf den Namen eines Schauspwlkünst-lers Anspruch machen. Daß diese Nachahmung stets mit Bewußtseynverknüpft seyn, und nie in bloße mechanische Da stellung des eignenSelbst ausarten müsse, liegt eben in dem Begr-.ffe der Nach-rhmüng,denn Nachahmung geschieht mit dem Verstände, der sich sters seinerbewußt ist, und nie mit dem Gefühle, welches letztere allerdings keineigentliches Bewußtseyn in sich faßt. Hieraus geht auch zugleich dieBeantwortung der Frage hervor, ob der Schaust) eler künstlich odernatürlich spielen müsse? Er soll allerdings künstlich spielen, das heißt,er soll etwas darstellen, was er in demselben Augenblicke nicht ist,sondern von dem er bloß glaubt, daß ein Andrer sich in der Lagebefinde, welche er so eben künstlich nachmachen soll. Hieraus folgtalso von selbst, daß er nicht als er selbst (dies wäre natürlich), son-dern als ein Anderer (also künstlich) erscheinen müsse. Soll nun aberder Schauspieler diejenigen Leidenschaften, die er darzustellen hat, ge-r«de so darstellen, wie er sie an einem Andern, wenn sich dieser in der-selben Lage befunden hätte, entdeckt haben würde? Allerdings, aber§ «ur in so fern, als diese Leidenschaften, wenn sie wirklich natürlich> M Erscheinung gekommen wären, in sich selbst Einheit und Zusain-«enhang geoffenbart haben würden. Denn da der Mensch in seinemnatürlichen Zustande stets den zufälligen Einwirkungen der Lußendingeausgesetzt bleibt, und deßhalb auch in seiner natürlichen Darstellungdurchaus keine künstlerische Einheit zur Erscheinung bringen kann;s« soll die künstliche Gebehrde diese Einheit und diesen Zusammenhangda, wo die Natur etwa in einer ähnlichen Lage beides verlieren oderavßer Acht lassen dürfte, mit der aufmerksamsten Sorgfalt wiederanzustellen zu suchen. Eine nur ganz oberflächliche Beobachtungdes Menschen in der Wirksamkeit kann Belege von demjenigen ge-be», was wir unter dem Mangel jener Einheit und jenes Zusam-menhanges, von dem'wir so eben gesprochen haben, verstehen.Aan nehme nämlich an, daß irgeno ein Individuum, indem das-!, e einem andern eine wichtige Sache erklären will, und hierbei°>e nöthigen Gebehrden anwendet, entweder aus Mangel an hin«(sicher Kenntniß des abzuhandelnden Gegenstandes, oder abervurch eine äußere oder innere Störung unterbrochen wird. Plötz-entsteht dann durch diese Störung ein Mangel sn Zusammen-