332 Milz
Magen, um häufigern Magensaft zum Vorrath abzusondern. Istder Magen mit Speisen angefüllt, so strömt das Blut in größererMenge nach der Milz, und dehnt sie so aus, daß sie gespannt, glattund glänzend erscheint. In dieser Zeit ist ihre Thätigkeit vorzüglicherhöht. Das Blut erleidet vermöge der eigenthümlichen Lcbensthi- -tigkeit der Milz eine eigne Verwandlung zum Behuf der Gallebe- !reitung in der Leber, indem eS viel dünner und wässeriger ist, allanderes Venenblut, insbesondre als das Pfortaderblut, das dicker,schwärzer und fettiger ist. Diese Verwandlung des Milzblutes gehtwahrscheinlich in den Zellen der Milz vor sich, welche in ihrem aus-gedehnten Zustande eine durchsichtige Flüssigkeit enthalten. Indemnämlich die Milzartecie das mir Lxygengss so eben bereitete Blut(s. Lunge) in die Milz so reichlich überführt, daß die Menge dessel-ben eben so viel beträgt, als die sechs Mal größere Leber bekommt,so wird in dem Innern der Milz vermöge ihrer specifischen LebenS-thätigkeit das Sauerstoffgas theils mit dem Wafferstoffgase zu wäß-riger und lymphatischer Flüssigkeit verbunden, welche in großerQuantität mit dem, durch Frerwerdung des Sauerstoffs im Artr-rienblut, entstandenen Venenblute zu der Leber hingeht. Dieseswäßrige Milzveneublut beträgt eben so viel, als das übrige sämmt-liche Pfortaderblut, und dient wahrscheinlich dazu, die Galle flüssig,auflöslich und sauerstoffhaltig zu machen. Der andre Theil des inder Milz frei gewordnen Sauerstoffs geht reichlich in das Blut desMagens über, und dient zur Bereitung des Magensaftes. Ob dieserÜbergang durch die sogenannten kurzen Gefäße vermittelt wird, wel-ches wohl das wahrscheinlichste ist, oder ob »igene, bis jetzt noch u>>- >bekannte Übergänge dazu vorhanden sind, ist noch zweifelhaft. 3»- 'dessen ist doch durch Versuche (von Home angestellt) erwiesen, d«ßFlüssigkeit unmittelbar aus dem Magen in die Milz übergeht undvon dieser in den Kreislauf des Blutes kommt. Die Milzkraut«heiten können von verschiedner Art seyn, je nachdem ihre LebenS-thätigkcit verändert, erhöht oder geschwächt ist. Als ein so außer-ordentlich blutreiches Organ kann krankhafte Anhäufung des Blu-tes Statt finden, welche zunächst übermäßig vermehrte Thätigkeitzur Folge hat, wodurch die Galle zu sehr verdünnt, der Magen-saft zu sehr gesäuert wird, und zur beständigen Magensäure, zuMagenkrämpftn und schlechter Verdauung Veranlassung gibt. Sie ^kann sogar in entzündlichen Zustand übergehn, welcher seines laug- ^samen und weniger lebhaften Ganges wegen oft verkannt wird. §Weide Zustände geben Veranlassung zu Stockung des Bluts in der ^Milz und Austreibung derselben, wodurch endlich das Blut rück-wärts in den Magen übergeht, und das Blutbrechen veranlaßt,welches oft die größte Höhe der Milzentzündung, oft auch die Ent-scheidung derselben anzeigt, und jederzeit ein sehr gefährlicher Zu-stand ist. Die Milz kann aber auch in einen Zustand von zu ge-ringer Thätigkeit verfallen, wodurch alsdann die Galle zu dickeund zur Verdauung untauglich wird, daher Magenbeschwerbcn,schlechte Verdauung, Mangel an Appetit, Blähungen, Angst, Druckin der Herzgrube, Stockung der Galle in den Lebergangen, Stockun-gen in der Milz selbst, Berhärtungen und dergleichen entsteh». Du«ltern Ärzte nannten diesen Zustand Milzsucht. Sie sahen dirMilz als ein Eingeweide an, welches dazu bestimmt sey, die Lederund das Blut von den dicken schwarzgalll'chten (melancholische»)Feuchtigkeiten zu befreien, indem sie dieselben als mit ihnen »»-