Band 
Sechster Band. M und N.
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342
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342 Minnegerichte Minnesinger

»er ist, als manche neue, z. B. Liebe ist Setzung des Ichs iniSkichtich. Der Begriff der Minne wurde im Ritterthume der Deut-schen jehr edel gefaßt, und schon damals hat sich die Liebe bei irrdeutschen Dichtern viel reiner, inniger und idcalischer ausgcspio- ichen, als etwa bei den Franzosen (vergl. Villers Abhandlung li-la irianidrs lliss lents <ie rraiier 1 srriour ciioa los oeibinsiicls or lraj-^alb, deutsch in Reinhards Polyantbea, I8c>7 mi ,im vaterländischen Museum, igio). Eschelbach sagt auch gradez»in seinem Purcival: , das Herz ist rechter Minne ein Pfand?Mit Recht sang Walther v. d. Bogelweide: »Tugend und reili!Minne, »vcr die suchen will, der soll kommen in unser Land!da ist Wonne viel. Deutsche Zucht geht vor in allem," übrigenskommt bei den altdeutschen Dichtern Minna auch als Mädchennamevor, und Aphrodite» nennen sie Frau Minne (von Brennenberzauch Frau Liebe genannt), so wie ihren Stern den Minnestern, L>M i n n c g e ri ch te, s. Gerichtshöfe der Liebe,

Minnesinger heißen die deutschen Dichter des Mittelalterivon dem Hauptinhalt ihrer Lieder, auch schwäbische Dicht«genannt, weil diese Mundart in ihren Gedichten vorherrscht, Grds-rentheils waren sie Ritter, oder doch Edelleute, die das poetische,zwischen Krieg, Andacht und Liebe getheilte Leben der Ritterschaftzum Singen begeisterte. Sie lebten und sangen besonders an de»Höfen kunstliebendcr deutschen Fürsten, wie Kaiser Friedrich Ist,Herzog Leopold l V, von Österreich, Landgraf Herrmann von Thi-ringen, und das ritterliche Leben, die fröhliche Festlichkeit und diefeine Eourtoisie (bei ihnen Hübschheit) jener Hvflagcr gab ihren Ge-dichten die Zartheit und die Pracht, die Beredtheit und die Zier-lichkeit, die wir an ihnen bewundern. An jenen Höfen wurden zerrErgötzung der Fürsten und der Frauen Wettstreite, nach dem Bei- -

spiel der proven^alischen je»x mi pa-nis (s, Troubadours), gehal-ten, welche aber in Deutschland öfters ziemlich ernstlich gemeint wa-ren (wie der bekannte Krieg auf der Wartburg) und von derEifersucht der Dichter, die um die Gunst und die Gaben der Für-sten wetteifernd bublle», befeuert wurden. Denn es gab unter ih- !ne» viele Arme, die ein Gewerbe daraus machten, an den HsD ^umherzuziehn und ihre Lieder hören zu lassen. Aber eben so viele,waren auch reiche und kriegerische Ritter, die das Leben zwiW !ritterlichen und dichterischen Beschäftigungen theilten, und mit ^den abwechselnd den schönen Frauen zu gefallen suchten, wovon Ul- .richs von Lichtenstein in seinem Frauendienst geschildertes.Leben stakt aller Beispiele ist. Ja nicht wenige Könige und »«- -sten und viele Grasen und Herren liebten es, die Frauen ihrer ,Minne selbst zärtlich zu besingen und sich, in Stunden der NMvon Waffcnthatcn, m't Dichten und Gesang zu erfreuen. Da MPoesie, den Dichtern und dem Geiste nach, wahre Ritterpoesie war,so befremdet es uns nicht, in den weltlichen Liedern jener Zeit stets,sind in unerschöpflichen Variationen die Minne und wieder «>eMinne, die -weite R ligion der Ritter, und neben und in ihr«»Fruyling, b,ess Liebe der Natur, die liebende Herzen so wundert«shmpüthrtcsch anspricht, besungen zu finden; wie dagegen die epiM-romanlischen Dichtungen jener Zeit, der Natur des Epos zufolge,das ganze Leben und Wesen der Ritterschaft mit den lebhaftesteF.iben uns vcr übren, die Lebenslust und die Andacht, dieTapse^keit und die Liebesschwärmerei, die unruhige Leidenschaftlichkeit. o>