Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
341
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Miniatmmahlerei Minne 341

gotti das Adagio So nirrr i mall rnler, bloß mit einer Pizzicato-bkgleitung der Violine, damit die etwanigen Fehler im Gesangdesto merkbarer werden möchten. Sie aber, die den ihr gelegtenFallstrick wohl gewahr wurde, lös'te alle Schwierigkeiten so voll-kommen, daß ihre Feinde und Faustina selbst verstummten. ImJahr 1751 ging sie von Dresden nach Spanien, wo sie mit Giz-ziello unter der Direktion des berühmten Farlnelli sang. Letztererwar so streng, daß er ihr nicht nur untersagte, anders als vordem Hofe zu singen, sondern auch, ihre Übungen in einem Zim-mer, das nach der Straße hinausging, anzustellen. Nach einemzweijährigen Aufenthalt in Spanien, während dessen sie der größ-ten Auszeichnung am Hofe genoß, besuchte sie Paris und London,iim auch hier ihr Talent bewundern zu lassen. Darauf bereiste sieItalien, und sang in mehrern großen Städten. So lange der Kö-nig August lebte, hörte sie nicht auf, Dresden als ihre Heimathzu betrachten. Nach seinem Tode 176z aber ließ sie sich i» Mün-chen nieder, woselbst sie in hohem Alter starb.

Miniaturmahlerei, s. Mahlerei.

Minne, ein altes deutsches Wort, welcher Liebe bedeutet, undehemals viele abgeleitete Wörter gab, z. B. minnlich, minniglich,minnesam, Minnckuß, Minnelohn, minnewund, Minnewonneu.s. w.Die Holländer haben diesen, bei uns bloß in Gedichten noch leben-den Ausdruck behalten, und von diesem auch das artige IVIimreily-lgebildet, d. i. Minneneid, Liebesneid, statt unsers ungefälligenWorts: Eifersucht. Das alte Wort Minna und Minnen ward erstüberhaupt von Liebe und Freundschaft, auch von göttlicher Liebe ge-braucht. Doch bekam es dann bei den deutschen erotischen Dichterndes Mittclalters eine emphatische Bedeutung, nänssich die deredlen, glücklichen und treuen Liebe zwischen den Geschlechtern(die auch einmal vom Minnesinger W. v. d. Dogelweide hoheMinne genannt und von der niedern unterschieden wird). Treueklebe; den» (sagt Ulrich von Lichtenstein, einer der vorzüglichstenMinnesinger) »stet« Liebe heißt Minne;" der deutsche Bearbeiterdes Parcival v. I. igyo: „rechte Minne ist wahre Treue," undHeinrich von Morungen: „Herzeliebe heißt Minne?' Glück-liche; denn, sagt W. v. d. Vogelweide, „Minne ist Minne, thutsie wohl, thut sie weh, so heißt sie nicht Minne," und Howart:„Lieb' ohn'allen falschen Wahn." Edle, denn ihr schreiben jeneDichter mit Recht eine Kraft zu, das Wesen des Menschen zu ver-ölen, oder wie Jean Paul sagt, zu verherrlichen. Walther v. d.Vogelweide: „Minne ist aller Tugenden ein Hort. Wer gutesWeibes Minne hat, der schämt sich aller Missethat." Ottov.Bran-denburg: „die Minne lehrt Sünde l'an." Reinmar v. Zweier:„die Minne lehrt große Tugend." Minne, sagen die Sänger derRitterzeit, lehrt edlen Muth, Tapferkeit, Artigkeit und Sitte, ver-scheucht den Schmerz und lohnt mit Wonne. Förmliche Gesprächeüber diese Minne finden sich im Liturel, bei Veldeck, Ulr. v. Lich-«nstein, Howart und der Winsbekia. Eine förmliche Definitionder Minne aus jener Zeit ist zu schön, als daß sie hier Übergängenlverden sollte. W. v. d. Wogelwerde sagt: „ob ich recht rathenkenne, was die Minne sey, so sprechet ja! Minne ist zweier/"zen Wonne, theilen sie gleich (d. i. theilen sie einanderImchmäßig diese Wonne über ihre Herzen mit), so ist die MinneEine Definition, die zwar etwas zu weit, aber gewiß schö-