Ministcrial- und Oppositionspartei 34 5
«uigehende Instanz aller großbritannischen Tribunale ist, alte Ge-setze aufhebt, unk neue macht, und dem Könige diejenigen Sum-mn bewilligt, deren er zu seinen Privatabsichten, so wie zur Aus-führung aller seiner Wünsche, Zwecke und Plane bedarf, so ist eswohl natürlich, daß die Stimmenmehrheit der Mitgliedep ein Ge-genstand ist, dessen er sich, eS koste was es wolle, zu bemächtigensucht. Unter den Mitteln, deren er sich zur Erreichung diesesZweckes bedient, ist (wie man Lies wohl laut sagen darf, weil esselbst im Parlamente bei jeder Gelegenheit laut gesagt wird, undweil selbst die zärtlichsten Freunde der Britten, z. B. von Ar ehe le-hrn;, es eingestehn), die Bestechung eines der gewöhnlichsten,weil es seine Wirkung niemals, oder doch höchst selten verfehlt.Dagegen sind freilich Gesetze gemacht, aber es gibt der Straßen,um ihnen auszuweichen, so viele, daß man die Mähe, sie zu ent-werfe», hatte ersparen können, denn es wird nichts durch sie be-wirkt. Ist z. B. dem Hofe daran gelegen, den oder jenen auf derMinisterialbank zu sehn, 'so stellt es dem Candidaten eine namhafteSumme (wenn er selbiger bedarf) zu. Dieser kauft den Wählen-den Kleinigkeiten ab, und bezahlt sie weit über den Werth, z. B.für ein Huhn drei, vier und mehrere Guineen. Der Landmannversteht den Wink, nimmt das Geld, und der Hof hat seine Absichterreicht. Durch ihn wird auch indirect der Sprecher des Unterhau-ses, der als der Präsident desselben anzusehn ist, gewählt. DasMinisterium sorgt dafür, daß.dieser Posten keinem Andern zu Theilwird als dem, der ihm ergeben ist und ihm Verpflichtungenhat. Luch bestätigt der König ihn. Alles, was von ihm abhängtund ihm anhängt, tritt, die Sache mag mit ihrer Privatmeinung,mit ihren innern Gefühlen, mit den Gesetzen und Verfassungen desReichs, mit Recht und Billigkeit übereinstimmen oder nicht, demje-nigen bei, was der König oder vielmehr sein Ministerium will,nimmt im Parlamente die sogenannten Ministerialbänke ein, er-klärt dadurch frei und unverholen, was von ihm zu erwarten sey,nnd heißt die Ministerialpartei. Ihr steht eine andre geradeentgegen. Weil diese ihrerseits, mit wenigen Ausnahmen, alles be-freitet und verwirft, was von den Ministern und dem Könige aus-geht, es sey gut oder böse, so nennt man sie die Oppositions-partei. Bon ihr werden die Oppositionsbänke besetzt. Um Be-förderung zu erhalten und zu einträglichen Stellen berufen zu wer-den, ist es ein gewöhnlicher Weg der jungen Parlamentsglieder,hier ihren Platz zu nehmen, dem Hofe Unannehmlichkeiten zu sagen,sich ihm mit aller Macht «ntgegenzustemmen, und sich ibm dadurchfurchtbar zu machen, der denn seinerseits sich dieses Widerstandesiu entledigen sucht, so bald sich dazu eine Gelegenheit zeigt. DerUngetreue verläßt sodann seinen Sitz, geht förmlich zum Feinde über,Mäßigt nach und nach seine ehemals geäußerten Grundsätze, undN»rd der hitzigste Widerpart derjenigen Partei, der er anhing, odervielmehr, der er ergeben zu seyn sich das Ansehn gab. Die An-hänger der Ministerialpartei verlassen sie selten; die Minister selbst"der gewöhnlich allemal, wenn' ihnen der König seine Huld und«nade entzieht, oder einmal einer ihrer Anträge durch Stimmen-wehrheit verworfen, oder ein Krieg, der nach ihren Planen einge-het, ^gekündigt und geführt worden ist, durch einen Friedens-schluß, oder durch unglückliche Ereignisse beendigt wird. Eine jede«er beiden Parteien besoldet einen Trupp von Zeitungsschreibern