Mittclaltcr Z7h
kenntnißloser Betrüger, größtcntbeils jüdischer Nation. Die Philo-logie hatte zu Lanfranks und Abälards Zeiten eine glückliche Periode,ward aber im ilten und inten Jahrhundert wieder ganz vergessen.Ungeachtet dieser unfruchtbaren Behandlung der Wissenschaften stan-den die Gelehrten damals in Hoher Achtung, und der höchste akade-mische Grad ward der Ritterwürde gleichgeschätzt. Die Universitä-ten ihrer Seils zeigten sich solcher Ehre würdig duich Stolz und Un-abbängigkeitsgeist gegen Päpste und Fürsten. Bei aller Wcrthlo-sigkeit hatte die Disvutirsucht jener Zeit doch das Verdienst, unterdem Borwand der Cathederfreiheit, den Vortrag und das Behaup-, ten von Wahrheiten, welche d'e wachsame Hierarchie scheuen mußte,möglich zu machen, und sie ist, durch Suchers in Wittenberg ange-schlagene Sätze, eine bedeutende Veranlassung und Bedingung derKirchenverbefferung, und soni't des neuer» Lichtes in der Gelehr-samkeit geworden. Doch hat nicht, wie Manche zu glauben ge-neigt sind, die Reformation allein zu eine , höher» wissenschaftli-chen Streben und zur Freiheit im Denken das Zeichen gegeben; sieselbst ward vielmehr aus diesem Strebe., und dieser Freiheit er-zeugt, die schon einige Menschenalter früher aufgewacht, durch dieaus Constantinopel geflüchtetcn Griechen und die Buchdruckerhunst,durch die guten Köpfe und wissenschastliebenden Großen Italienszumeist ausgebildet, und selbst in Deutschland in der Brüderschaftvon Deventer, in Weßel, Erasmus, Ce.'tes, Reuchliiss u. A. herr-lich erschienen waren. Aber mit dieser Männer Erscheinung, mitdem Aufgang der glänzenden Sonne neuer Aufklärung, ging das! romantische Zwielicht des Mittelalters zu Ende. Dies die Haupt-^ charakterzüge jener Zeit, die ein neuer Geschichtschreiber treffend ge-nug die Zeit verkannter Verdienste genannt hat. Die in unsernTagen oft wiederholte Frage, welche Zeit wohl besser gewesen,»isre oder jene, scheint leicht zu beantworten. Welcher Greis, wel-cher Mann wünscht nicht oft seine Jünglingsjayre zurück? DasSelbstvertrauen, mit dem er, kämen sie wieder, so manchen damalsbegangnen Fehler zu vermeiden hofft, ist freilich nur Selbsttäu-schung, in so fern Jugend und Erfahrung sich nicht vertragen. Wirgebe» kürzlich noch die Hauptepochen der Geschichte des Mittelal-ters, das Ausführlichere den, einzelnen Staaten gewidmeten, Arti-keln überlassend. Auf die Bildung der einzelnen germanischen Staa-ten zunächst nach der Völkerwanderung folgt nach einigen Jahrhun-derten die Universalmonarchie Carls des Großen. Sie hatte kur-zen Bestand, aber es blieb von ihr übrig die Idee dcr Einheit derganzen Christenheit unter einem geistlichen Oberhaupt und unter derweltlichen Schutzherrschaft des neu erweckten römischen Kaiscrthums,ttne Idee, die das ganze Mittelalter hindurch mächtig gewirkt hat.Neue Gestaltung dcr europäischen Staaten nach dem Fall der Ka-rolinger, Berheerungszüge neuer Barbaren, der Saracenen im Sü-den, der Normänner im Norden und Westen, der Ungarn im Osten,deren die germanische Kraft endlich aller Meister wird, Coloniender Normänner in Frankreich, Italien und England. Von diesenromantischen Abenteuern vornehmlich geht der Rittergeist aus, derganz Europa durchdringt. Das Christenthum dringt in die slavi-schen Länder. Kämpfe zwischen dem geistlichen und weltlichen Armzerrütten hie Christenheit. Die Idee ihrer Einheit, so wzs die deß^tterthums , verherrlicht in den Kreuzzügon, deren Gelingen jeneZwietracht vereitelt, Entstehung der Städte, des dritten Standes,