378 Mittclalter
Bestrebungen gleichzeitiger Araber, wovon in dem Art. arabischeLiteratur die Rede gewesen. Eben so kennt das griechische Kai-scrtbum, diese schwache langweilige Fortsetzung des römische», keinMittclalter; denn matte Greise können sich nicht verjüngen. Daherist die todte Wissenschaft der dortigen Gelehrten der gegenwärtigenBetrachtung so lange fremd, bis sie auf den edeln Stamm desAbendlands gepfropft, neue herrliche Früchte trägt. Wie aber derGang des Weltgeistes keine entschiednc Einseitigkeit lange erträgt,so ward im Uten Jahrhundert auch in Europa das Bedürfniß zudenken wieder gesuhlt, der Geschmack an den Wissenschaften hierund da, zum Theil von den Klöstern aus) meist aber später durchden Gewerbfleiß des Bürgerstandes wieder erweckt, und die Stu-dien erhielten in der Folge durch Heinrich ll. von England, dieHohenstaufen, Ludwig denHeiligen, die Alfonso's,und andre geistreicheFürsten Aufmunterung. Von dieser Zeit, von Lanfrank, Abälard,Johann von Salisbury u. A m., fehlte es das ganze Mittclalterhindurch nicht an einzelnen ausgezeichneten Männern, in denen dieKälte, die ihre Zeitgenossen gegen die Wissenschaften bewiesen, dasenthusiastische Feuer für dieselben nur verstärkte. Da mochte mauwohl, fühlend, daß überwiegen der Phantasie und des Gemüths bisjetzt den wissenschaftlichen Gcistcsthärigkeiten im Wege gestandenhatte, glauben, daß Umkehrung dieses Verhältnisses hinlänglich sey,sie zu fordern. Wie wäre man sonst auf eine neue, dem Geiste je-ner Zeit eigentlich widerstreitende Einseitigkeit, auf bloße, nackteSchärfung "des Verstandes oder vielmehr nur des Scharfsinns ssschnell und ausschließend gefallen? Diese Richtung äußerte sich be-sonders in der scholastischen Philosophie und Theologie (s. d. Art.),welche zugleich, bei . der damaligen großen Seltenheit der Bücher,durch ihre Unabhängigkeit von eigentlicher Gelehrsamkeit sich empfahl,und dieselbe ließ auch die Gelehrten damaliger Zeit so großen Ge-schmack an der unerschöpflichen Schatzkammer menschlichen Scharf-sinns, dem römischen Gesetzbuch, finden, welches zu studiren, aus-wendig zu lernen, mit Glossen und Erläuterungen zu versehen, be-sonders die Italiener nicht müde werde» konnten (s. Glossato-ren). Eben so machten es die Philosophen mit dem scharfsinnigenAristoteles, für den das Mittclalter, obgleich es ihn nur aus ara-bischen Übertragungen oder vielmehr Umschmelzungcn kannte, eineunbegränzte Verehrung hatte. Das Schlimmste aser, und das ei-gentliche Hinderniß weiterer Fortschritte war, daß man über jeneCcmwentare, Glossen und Compendien bald die Quellen selbst ver-nachlässigte und vergaß. Als aus den Vereinigungen der Gelehrtenan Einem Ort die Universitäten sich bildeten, trugen sie, wie in jder erwähnten, dem Flor der Wissenschaften so hinderlichen, zünf-tischen Form auch in dieser ausschließend dialektischen Richtung ganzdas Gepräge ihrer Zeit. Jurisprudenz, Theologie, und was manPhilosophie nannte, oder besser, die Kunst über alles dieses spitz'sündig zu disputiern, wurde einzig gelehrt, und besonders sert derMitte des isten Jahrhunderts verhallten diese, im vorigen durchernstliches Quellenstudium auf bessere Wege gebrachten Wissenschaf-ten ganz t'n das leere Schellengeläute scholastischer Sophisterei, -^eArzneikunde wurde in jener Zeit nur von einigen relativ verdienst-vollen Arabern, und den Salernitanern, die von ihnen gelernt, aufeine etwas bedeutende Weise getrieben; sonst war sie eine Scwvin ,her Astrologie und ein Gegenstand der Speculatio» so schasm- 01°