Mode 883
fahrung zusammenhängt, ist wirklich, und dasjenige, dessen Zu-sammenhang aus dem Wirklichen durch allgemeine Bedingungender Erfahrung (durch das Mögliche) bestimmt ist, eristirt noth-w endig.
Mode. Kürzer und zugleich richtiger läßt sich wohl die Modenicht desiniren, als es in Boigtels Versuche eines hochdeutschenHandwörterbuchs (Halle, 1794 8.), geschehen ist. „Die Mode,(so heißt es im zweiten Theile dieses Werks, Seite 622), ist dieeingeführte Art des Verhaltens im gesellschaftlichen Leben; im en-gern Verstände die herrschende, Art der Kleidung und Anordnungalles dessen, was zum Schmucke (wohl nicht bloß zum Schmucke,sondern auch zum Hausgeräthe, Fuhrwerke u. s. w.) gehört. Z. B.sich nach der Mode kleiden, aus der Mode kommen, das Kleid istnicht nach der Mode gemacht." Mehrere Etymologen haben es sichsauer werden lassen, um aussündig zu machen, aus welchem Landediese Schachtel der Pandora zu uns gekommen, und welchem Volkeund Zeitalter über die Erfindung, Versendung und Verbreitungderjenige Vorwarf zu machen sey, den freilich ein solches «nvertilg-barcs Unheil verdient. Vossius z. B. leitete das Wort Modeauf dem hebräische» Worte Medad, etwas messen, oder nach ei-nem gewissen Maße bestimmen und einrichten, und Scaliger vondem griechischen Worte Metroe, welches ungefähr die nämlicheBedeutung hat, her. So sucht man mehrmals in der Ferne, wor-auf man unfehlbar in der Nähe weit richtiger trifft. Frankreich,und namentlich Paris, kann es wohl nicht ablehnen, daß dort derModen Urquelle, und das Wort Mode ein reiner Gallicismussey. Freilich kann das lateinische Modus die erste Beranlaffusigdazu gegeben haben; indessen sind doch dem Verfasser dieses Arti-kels vierzehn Bedeutungen dieses Substantivs bekannt, von denenkeine einzige dasjenige darstellt oder ausdrückt, was die pariserLodlkouso unter einem klonner ä da rnoclo versteht. Überdies ge-hört das französische Wort Mode zu den vielen Wörtern dieserSprache, die bei mehreren Nationen zugleich mit der Sache selbsteinen Eingang zu finden gewußt haben, von ihnen mit einem wil-ligen Herzen auf- und angenommen, und der unverdienten Ehredes Bürgerrechts gewürdigt sind. So haben z. B. der Engländer,der Däne, der Holländer und der Deutsche durchaus kein andresWork, um diejenige Schwachheit zu bezeichnen, die schon so man-chem braven Volke, so manchem, in vielen Rücksichten schätzbarenZeitalter Gesetze vorgeschrieben, zu Thorheiten, wie sie kaum derWahnsinn hätte erdenken können, verleitet, und ganze Millionenabgelockt hat, die den edelsten Zwecken entzogen wurden, »nd de-ren Verlust dennoch gar nicht, oder zu spät bereut worden ist.Diejenigen indessen, die der Mode Vorwürfe zu machen, oder ge-genrheils ihr für den Genuß ihrer liebenswürdigen Thorheiten ih-ren Dank zu zollen gewilligt sind, würden den Engländern ein Un-recht zufügen, wenn sie in einem wie im andern Falle ihrer un-eingedenk seyn wollten, und allein auf das pariser Palais royalRücksicht zu nehmen sich veranlaßt sähen. ES ist weltkundig, daßMan unter allen Zonen den Beschien der londoner Schneider miteben der Bereitwilligkeit gchorsamt, mit welcher man die Vor-schriften der pariser Putzmacherinnen befolgt. Beide befinden sich>d dem Besitz der Herrschaft der Welt, theilen sie gewissermaßen iniwei Hälften, und erhitzen ihre Anhänger oft nicht weniger durch