438 Montmorency de Damville ^
aufs neue unter Franz II. in Ungnade, während die Prinzen vonLothringen allmächtig geworden waren. Catharine haßte ihn, weil !er Heinrich II., gerathen, sie in den ersten Jahren ihrer Eheals unfruchtbar zu verstoßen, und weil er geäußert hatte, daß von ,allen Kindern des Königs allein seine natürliche Tochter Diana ihmähnlich sehe. Da indeß seine Talente ihn unentbehrlich machten, rief ««an ihn 1560 unter Carl IX. wieder an den Hof. Er versöhntesich mit den Guisen und erklärte sich mit Kraft gegen die Calvin«- 1sten. Im I. 15t,2 kam es zur Schlacht bei Dreux. Der Conne-table gewann sie, wurde aber gefangen genommen. Nachdem er im l
folgenden Jahre seine Freiheit erhalten, entriß er Havre de Grace l
den Engländern. Als einige Zeit darauf die Calvinisten unter dem f
Prinzen Condt wieder im Felde erschienen, schlug Montmorency sie ,
am roten November 1567 bei Laint-Denys. Plötzlich sah der Sieger ,
das Corps, das er anführte, in Unordnung gerathen; er sah sich >
von den Gelingen, die der Schrecken ergriffen hatte, verlassen. §Der edelmüthige Greis raffte alle seine Kräfte zusammen, um indiesem Augenblick der Entscheidung sein langes Leben durch eine f
heldenmüthige That zu beschließen. Er empfing acht gefährliche «
Wunden, verlor fein Pferd, und zerbrach seinen Degen, indem er f
einen calvinistischen Offizier durchbohrte. Ein schottischer Edelmann, i
Namens Stuart, fodcrte ihn auf, sich zu ergeben. „Ich mich erge- >
den?" antwortete der Connetable, „Du kennst mich wohl nicht? — i
„Weil ich Dich kenne," erwiederte jener, indem er seine Pistole «
auf ihn abdrückte, „geb' ich Dir dies." — Brantöme versichert, «
daß er, obgleich tödtlich verwundet, sich nach jenem hingekehrt undihm das Degengefäß ins Gesicht geschlagen habe. Als sein Beicht-vater ihn zum Tode vorbereiten wollte, sprach er: „Denkst Du,daß ich fast achtzig Jahre mit Ehren gelebt habe, um nicht eine ^Viertelstunde sterben gelernt zu haben?" — Der Connetable starddrei Lage darauf in seinem Hotel zu Paris, nachdem er eine lange !Unterredung mit dem Könige gehabt hatte. Er war 74 Jahre alt !und hatte unter fünf Regierungen gelebt. Man behauptet, daß die !Könichin mit einem fröhlichen Lpn zu einigen ihrer Vertrautengesagt habe: „Ich habe an diesem Tage dem Himmel für zwei ^große Verbindlichkeiten zu danken: die eine, daß der ConnetableFrankreich an seinen Feinden gerächt, und die andre, daß die Feindees von dem Cannetable befreit haben." So starb dieser berühmteFeldherr, gleich unerschrocken am Hofe wie unter den Waffen, aus- ^aeflattet mit großen Lugenden und großen Fehlern, unglücklich, aber lgeschickt, von Gesinnung streng, unbeugsam, hartnäckig, aber redlich jund hochherzig. Lesen und schreiben hatte er nicht gelernt. Er iwar in acht Schlachten gewesen, und hatte in vieren den Oberbe-fehl mit mehr Ruhm als Glück geführt. Voll Eifer für die Reli-gion beobachtete er mit Strenge die geringsten Übungen derselben,vergaß aber dagegen ihre heiligsten Vorschriften. Sein Leichnamwurde zu Paris mit beinahe königlichen Ehren bestattet; den Kör-per brachte man auf sein Schloß zu Ecouen, das Herz aber zu den ^Cölestinern in Paris, wo auch das Herz Heinrichs II- bewahrtwurde.
Montmorency de Damville (Henri I. de), Duc, Pa«r,Marschall und Connetable von Frankreich, Gouverneur von Lan- «guedoc u. s. w., des Vorigen Sohn, zeichnete sich schon bei sein» >Vaters Lebzeiten unter dem Namen Damville aus. In der Schacht