Moral 445
verschiebner Philosophen hier aufzuhalten, Wolken wir lieber bei demweilen, worauf es wesentlich ankommt, und Lies ich solventes.Der Mensch pst ein empfindendes, begehrendes, denkendes Wesen;sein Dasey»' ist mithin an Gefühle, Neigungen und Überlegunggeknüpft. Welchen von diesen soll er die Zügel anvertrinc»? Es, istangenehm, sich seinen Gefühlen h «zugeben; es ist angeneh n, sein«Neigungen zu befriedigen; die Erfahrung aber belehrt uns bald,daß nicht nur über das Maß, sondern auch über die Art und Weisedieser Dahingebung und Befriedigung die ernste, gesetzgebende und> richtende Vernunft ihre Stimme nicht aufgeben kann. Daraus ent-steht eine Art von Zwiespalt in unserm innern Wesen, eine Erlli-siiM zwischen unsern Empfindungen und Neigungen mit unsermdenkenden, überlegenden, prüfenden Geiste, kurz zwischen unterersinnlichen und unserer vernünftigen Natur. Dieser Zwiespalt kannnicht anders aufgehoben werden als durch eine bestimmte Ausmilte.-lung des Verhältnisses, in welchem die Vernunft zu Kein Begch-rungs- und Gefühlsvermögen und den Handlungen der Menschenüberhaupt steht. Das Geschäft dieser Ausmittelung bat die Moral-philosophie, welche aus dem Wesen der Vernunft selbst die Ge-setze für die Handlungen und Bestrebungen der Menschen in Bege-hung auf die höhere Bestimmung des Menschen entwickelt, und auchdie praktische Philosophie genannt wird, weil sie es mitden Ncrnunftgesctzen für das Handeln zu thun hat, in welchemimmer Begehren mit eingeschlossen ist. Aus diesem Begehren wirdnun aber ein Wollen, d. h. ein durch Wahl zwischen den Ailffo»derungen der Vernunft und dem Fodern der Neigungen, Begierden,
§ keidenschaften oder überhaupt der Sinnlichkeit bestimmtes, mir Frei-heil und Bewußtseyn geleitetes Begehren. Hat nun die Moralphi-losophie alles dieses ausgemittclt und gegen alle möglichen Einwen-dungen außer Zweifel gestellt, so läßt sich die Moral selbst auf-stellen, d. h. die Lehre aller von der Vernunft für das Handeln derMenschen gegebnen und »fit freiem Willen zu erfüllenden Gesetze,l Nach ihr, die, nur unentwickelt, in jedem Menschen liegt, denn; sonst wäre sie willkürlich und nicht nothwendig und allgemein ver-pflichtend, wird der Mensch beurtheilt als ein moralisch es» We-st», d. h. als ein Wesen, welches, des Guten oder Bösen, derTugend oder des Lasters fähig, mit freiem Willen die Vernunft-gesetze für das Handeln befolgt oder nicht befolgt, in seine Gesin-nung aufnimmt oder von ihr ausschließt. Einige Philosophengebrauchen Moralphilosophie und Moral als gleichbedeutend, An-dere nehmen Moral als einen Theil der Moralphilosophle, undnennen das, was wir Moralphilosophie nannten, Met.Physikder Sitten. Wird der Ausdruck Moralphilosophie in weiteremSinne genommen, sokann man sie abtheilen: I. in die Metaphysikder Sitten, welche die Gesetzgebung der Vernunft für das Handelnund die höchsten Gründe aller Moralität aus der moralischen Naturdes Menschen entwickelt; 2. in die Ethik oder Moral, welchena vollständiges System der Vernunftgesetze für das Handeln derMenschen, ihrer Pflichten, der aus diese» folgenden Lugenden undderen Verhältnisse gegen einander aufstellt; z. in die Ascetik,^ ei» System der Lugendmittel. Wird diese Wifienschaft in derhöchsten Allgemeinheit dargestellt, wie sie aus dem Wesen der Ver-dunst für alle vernünftige Wesen verbindend sich ergibt, so Nennt' sie die'reine Moralphilosophle; wird sie dargestellt in