Band 
Sechster Band. M und N.
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! Moritz (Carl Philipp) 47 r

1 dessen Einwirkung auf Moritz ihn einer Erwähnung an diesem Orte

> vürdig machen. Einstens läßt sich nämlich ein italienischer Grafk: ihm melden, der in Folge der Unterredung, welche sich zwischenihm und Moritzen über Erfahrungsseelenkunde entspinnt, die Be-hauptung äußert, daß es allerdings Ahnungen und Vorhersagungenzehr, und daß er nicht allein die Möglichkeit derselben behaupte,sendern sich auch sogar schmeichle, a.us der Gesichtsbildung einesMenschen manche Umstände seines Lebens vorhersagen zu können.

! ü!§ Moritz dies in Zweifel zieht, sagt der Graf im Weggeh» mit' feierlichem Tone: „Die Zukunft sey Richter zwischen uns. Nichtlange mehr bleiben Sie in ihrer jetzigen Lage. Sie werden sogarDeutschland verlassen, in Italien den Anfang Ihres Glücks blühensehen, doch einst nach Berlin zurückkehren." Auf so unsicher« Grund

> inln auch diese Prophezeiung begründet war und mit so geringer! Mühe sie auf eine ganz natürliche Weise erklärt werde» konnte; so! stand dennoch Moritz, der in seinem Magazin zur Erfahrungssee-j Iwkunde allen Aberglauben muthig bekämpft hatte, im geringsten

«icht an, den Gaukeleien jenes Grafen Glauben beizumeffen. Als«un gar diese Prophezeiung einer Reise nach Italien wirklich ini Erfüllung gegangen war, da warf sich Moritz öffentlich zvm Ver-l iheidiger von Ahnungen und schwärmerischem Mysticismus auf. Rach-i km er vorher noch in Gesellschaft mit einigen Freunden eine Reis««ach der Schweiz unternommen, aber nur bis zur Hälfte ausgeführt' hatte, ging eine neue und zwar anfangs sehr heilsame Revolution>» seinem Innern vor: er verliebte sich mit allem Enthusiasmusseiner Einbildungskraft in eine verheirathete Frau, die ihn zwar»icht wiederliebte, aber doch durch ihre Freundschaft höchst glücklichmachte. Nichts destoweniger ward diese Liebe Veranlassung zu bizar-ren Verirrungen in Moritzens damaligem Leben: er fand nämlicheine Ähnlichkeit zwischen sich und Werther, kleidete sich, wie unsdieser von Göthe geichilbert wird, redete und schrieb in dem Tonedesselben, und wäre vielleicht im Stande gewesen, auch zu enden,die feig Vorbild, wenn nicht unglücklicher Weise die längst ersehnteReise nach Italien eine heilsame Diversion in seinem Leben gemachthatte. Er selbst hat in der Folge die Geschichte seiner unglücklichen«ebe in Hartknopfs Predigerjahren unter der Geschichteder Liebe, Ehe und Trennung Hartknopfs und der Schwester desPachter Heit darzustellen, aber auch zu verhüllen gesucht. Nun«sstc er im Juli 1736 ohne Urlaub von Berlin ab und bat von! «raulischwcig aus um seine Entlassung, die er auch erhielt. Dorts Moß er nut Campe einen Vertrag ab, welchem zu Folge er ei»

' Werk über die römischen Alterthümer, zu dessen Hervocbringungtb ihm jedoch an hinlänglicher Kenntniß der alten Sprachen, so wieder alten Literatur gänzlich gebrach, nebst einigen andern Arbeite»i» dessen Verlage herausgeben wollte, und erhielt von Campe denNöthigen Vorschuß dazu. Jetzt flog er nach Italien und verweilte! Zwei Jahre, wo er seine Zeit zwar sehr thätig zubrachte,

roch eben weil er ganz unvorbereitet zu seinem eigentliche»sivecke geeilt und diesen stets mit Phantasie, und nie mit strenger'°»ichauender Reflexion aufzufassen im Stande war, ohne eigentli-V» tiefern Gewinn für diesen seinen Zweck, seine Zeit und sei»^uken in Außerwesentlichkert versplitterte. Doch einen persönlichen^swinn hatte er von dieser Reise, nämlich die Bekanntschaft miti G°the, den er in Italien traf, und enthusiastisch verehrt «und von