Band 
Sechster Band. M und N.
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492 Moses Mendelssohn

theilhaftesten Einfluß hatte. Lessing machte ihn auf die Natur undden Vorzug der neuern Sprachen aufmerksam. Die,Briefe überdie Empfindungen waren die erste Frucht der Übung des he-bräischen Philosophen in der deutschen Sprache. Auch mit Abbt undNicolai wurde er bekannt. Die abbtifche C orre sp on denz,eine Sammlung zwischen Abbt, Mendelssohn und Nicolai gewech-selter Briefe, ist ein herrliches Denkmal von der Freundschaft undVertraulichkeit dieser trefflichen Männer. An der Bibliothekder schönen Wissenschaften, so wie an den Briefen, dieneu cste Literatur betreffend, nahm Mendelssohn wichtigenAntheil, auch für die ersten Bande der Allgemeine» deut-schen Bibliothek war er thätig, wie einige sehr vorzüglicheRecensionen von ihm beweisen. Überdies trat er von Zeit zu Zeitvls philosophischer Schriftsteller mit Werken auf, die seinen Ruhmnicht nur über Deutschland, sondern auch ins Ausland verbreiteten.Die Auffoderungen und dringenden Borstellungen des enthusiasti-schen Lavaters, der ihn dem Christenthum gewinnen wollte, wußt!Mendelssohn mit Feinheit und Delikatesse abzulehnen, wie seineCorrespondenz mit Lavater zeigt; aber der Verdruß, sich auf eineso unerwartete Weise angegriffen zu sehn, zog ihm eine schwereKrankheit zu, die ihn lange zu allen gelehrten Arbeiten untüchtigmachte. Nur langsam genas er. Er versuchte jetzt wieder ein zu-sammenhängendes Werk zu schreiben. Auf eine geringe Veranlss- Isung legte er in seinem Jerusalem oder über religiöseMacht und Judenthum der Welt die trefflichsten Ideen vor, >Lie zum Theil deßwegen so schief verstanden wurden, weil sie Bor- surtheile, die seit Jahrhunderten befestigt waren, geradezu angriffen, sEr hatte seinem, ältesten Sohne und einigen andern Jünglingen die .Ansangsgründe seines philosophischen Systems, besonders die Lehrevon Gott, in einigen Morgenstunden auseinander gesetzt. Die Re-sultate seiner Untersuchungen machte er jetzt in einem Werke, unter !dem Titel, Morgenstunden, bekannt, von dem, seines dazwi-schen eintretenden Todes wegen, nur der erste Band erschien. Jetzterhielt er F. H. Jacobi's an ihn gerichtete Schrift: Über die Lehre ^des Spinoza. Mendelssohn glaubte seinen todten Freund Lessing .gegen die Beschuldigung, ein Anhänger des Spinozismus gewesen zu ^seyn, vertheidigen zu müssen. Sein Herz war rief verwundet; ohne jseiner erschöpften Kräfte zu achten, eilte er, den ersten Eindruck derlacobischen Beschuldigung zu vertilgen, und arbeitete die Schrift aus:Moses Mendelssohn an die Freunde Lessings. Erbe- jfand sich in einem so gereizten Zustande, daß eine Erkältung hin- ^reichend war, seinem Leben ein Ende zu machen. Er starb den j4ten Januar 1736. — Deutschland hat diesem großen Lehrer seinerNation, dessen Vorbild Sokrates war, um so williger den ihm gs-bührenden Ruhm zuerkannt, 'je größere Hindernisse er zu überwälti-gen hatte. Die deutsche Sprache verdankt ihm einen großen Theilihrer Bildung und Würde. Im philosophischen Dialog machte «unter den Deutschen den ersten gelungnen Versuch, indem er denstl-ben dem Plato und Lenophon nachbildete. Er gab zuerst den Un-tersuchungen der systematischen Philosophie Eleganz und ästhetische«Interesse. — Außer den bereits genannten Schriften führen wirnoch von ihm an: seine philosophischen Schriften, 2Bände;seinen Phädon «der über die Unsterblichkeit der Seele,