> Motte (Antoiire Houdard de la) 405
Weicher Bedeutung wurde es .auch in Frankreich zur Zeit der Re-volution genommen, indem jeder Conventsdcputirte oder sonstigesMitglied einer Volksversammlung das Recht hatte, eine Motionzumachen; jedoch durste über keinen Gegenstand, wenn nicht vor-läufig ein Conventsdecret die Gültigkeit der Berathschlagung aner-kannt hatte, deliberirt werden.
Motte süntoine Houdard dr la), ein bekannter französischerDichter, war 1672 zu Paris gebsren, studirte die Rechte, entsagteaber der juristischen Laufbahn, dieseiner Denkungsart nicht entsprach,
^ und widmete sich der Poesie. Seine Neigung zog ihn zum Ehester»
> Er war einundzwanzig Jahr alt, als (1693) fein erstes Stück aufdem italienischen Theater aufgeführt wurde. Es war eine Farce indrei Acten, gewischt aus Prosa und Versen, betitelt Os, Ori§i-nsux >>» I'lnstioi,. Der Fall dieses Stücks verursachte ihm solchen
! Kummer, daß er sich nach La Trappe flüchtete. Aber der berühmtej Abbe Rance versagte den! Jünglinge die Ausnahme und entließ ihnnach. einigen Monaten. La Motte ging nach Paris zurück und ar-beitete zunächst für die Oper, welche Gattung ihm vielleicht am be-sten gelungen ist. Wenigstens ist er ei» besserer Berskünstler undselbst mebr Dichter in seinen.lyrischen Werken als in seinen Tragö-dien. Dägegen machte ihn seine Übersetzung der Jliade Homers, die ee1714 herausgab, fast lächerlich. Ohne ein Wort griechisch zu ver-steh»,hatte er sich an diese Arbeit gemacht, die von dem Geiste undden Schönheiten des Originals nichts ahnen läßt. Die Abhandlung,
! die er hinzufügte, ist mit Feinheit und Eleganz geschrieben, aberHomer wird sehr übel darin mitgenommen. Mad'am Dacier stelltei ihr eine andre, voll Pedankerei und beleidigenden Unhöflichkeiten
> Des cairse» rle la oorruprion <iu Aoiit, entgegen, welche La MotteI durch seine klöflaxions sur Is criri^u« mit eben so viel Witz als! Anmuth beantwortete. Diese Antwort erschien 1715 und entzweite
olle Gelehrte. Der Streit wurde so hitzig und spaßhaft zugleich,daß man die Hauptpersonen sogar auf die Bühne brachte. Einenneuen Streit erregte La Motte's Behauptung, daß man in jederSchreibart, selbst in der Tragödie, sich in Prosa besser ausdrücken! könne als in Versen. So endigte dieser Dichter, der sein Leben
l hindurch Verse gemacht, hatte, damit, sie verdächtig zu machen unddas Wersisicircn für eine sinnreiche Narrheit zu erklären. Um seine Be-hauptung noch anschaulicher zu machen, schrieb er einen Ödip inProsa, den er mit seinem frühern in Versen contrastiren ließ. DenSpott, den er für diese Paradoxen reichlich einerntete, ertrug ex! »lS Philosoph. Er starb im December 1731. Seine Werke sind,j t?54 zu Par^ in 11 Duodczbändcn vereinigt erschienen. Die wich-tigsten darunter sind: i. vier Tragödien, Oe» Ü-Iaolmböes, klomu-! ius, tlssrio und Oollipe. Allen fehlt es an Reinheit,
, Torheit, Kraft, Adel und Eleganz; 2. die Lustspiele r/Airianx"Ecils; Itlinorolo: I,s Laloirllrier 60» vioillaril»; h.s 't'slis-Ihav; iviarron« Z'Lplröso und I.S IVlaAriifirzvs. Letzteres isttm Muster von Zartheit und Geschmack, voll Geist, Wahrheit undAnmuth, „nd hat den Beifall, den es bei seiner Erscheinung fand,Lch erhalten; Z. Opern, von denen 1'Luioxs ^alanre; Iss«; O'Awa-. 6rdc«i Onrplrale; l.« Lainsval «r !a hotte; Klc^ona»ad einige andre noch mit Erfolg gegeben werden. Sie sind nached« ^theil der Franzosen unter allen seinen Werken wegen ihrerrekln Eleganz und Lieblichkeit die vorzüglichsten, obgleich eine