Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
506
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Zo6 Mucius Scävvla Mufti

lichen, alles zermalmenden Tönen spricht, Dies ist Mozart, der,nebst Dbakspeare und Cervantes, den Beweis liefert, daß wabr-haft geniale Werfe keiner Zeit, keiner Mode unterworfen, sonder»für die Ewigkeit geschaffen sind und so lange dauern werden, als diejetzige Bildung des Nordens keine Revolution und gänzliche Um-gestaltung erleiden.

Mucius Scävola, eigentlich Casus Mucius Cordus, ei»edler Römer aus den ersten Zeiten der Republik, der die kaum ge-gründete Freiheit seines Vaterlandes durch eine kühne That rettete.Porsena, König der Etrusker, belagerte (um das Jahr der Stadt255) Rom, und schon litt mgn hier an den nothwendigsten Bedürf-nissen Mangel, als'Mucius,' unwillig darüber, däß die junge Re-publik ihren Nacken unter das Joch eines Tyrannen beugen sollte,den römischen Senat um die Erlaubniß bat, sich in das feindlicheLager zu begeben. In der Absicht, den König zu ermorden, bewaff-nete er sich mit einem Dolche. Glücklich kam er bis an das Zeltdeß Königs, wo eben der Sold ausgetheilt würde; aber statt desKönigs, tödtete er dessen Schreiber. Die Wache ergriff ihn; dasprach er mit unerschrockner Miene zu Porsena: „Ich bin ein römi-scher Bürger, und heiße C. Mucius. Als Feind habe ich den Kö-nig, unsern Feind, tödten wollen, und so viel Muth ich zum Mordehatte, so viel habe ich auch zum Sterben. Ich bin nicht der einzige,der diesen Entschluß gegen Dich gefaßt hat; eine große Anzahl römi-scher Jünglinge wird nach mir denselben Ruhm zu erlangen suchen.Diesen Krieg kündigt die römische Jugend Dir an." — Zornig underschrocken drohte der König, ihn dem Feuer zu überliefern, woferner nicht entdecke, welche Anschläge gegen ihn im Werke seyen. MuciuSaber erwiederte: „Damit Du siehst, wie wenig diejenigen die Schmer-zen des Körpers achten, weiche nach Ruhm streben, so siehe, was ichthue." — Und mit diesen Worten hielt er seine Hand in eine aufdem Altar stehende Pfanne voll glühender Kohlen. Porsena ließ ih»gewaltsam Hinwegreißen. „Gehe fort von hier," sagte der Königzu ihm,„der Du feindseliger gegen Dich selbst als gegen mich handelst. Ich würde

Dich belohnen, wenn Dein Muth sich so für mein Vaterland gezeigt hätte; j

so aber schenke ich Dir die Freiheit und entlasse Dich." — Jetzt er-klärte ihm Mucius, gleichsam aus Dankbarkeit, daß sich dreihundert ,Jünglinge verschworen hätten, ihn zu ermorden. „Mich," sagteer, „hat das Loos zurrst getroffen. Die übrigen werben jeder, so .wie das Loos sie trifft, ihren Angriff machen, bis ein günstiges Schick-sal Dich einem überliefert." — Geschreckt durch diese Worte, hobPor-sena die Belagerung auf und schloß Frieden. Mucius, der, weil ersich nur noch der linken Hand bedienen körnte, den Beinamen Scaroia ,erhielt, wurde durch ein Stück Landes und durch eine Ehrensäule ,vom Senat belohnt.

Mufti, Großmufti (bei den Türken auch Sheikh-Ulisla«,b. h. Haupt der Auserwühltcn, genannt), ist in der Türkei das Ober-haupt der Religion und der Gesetze, und dem Range nach der nach!»Reichsbeamte nach dem Großvezier. Er genießt sogar vom SultanEhrenbezeigungen, die dieser nicht empfängt. Seine Wahl HE'einzig und allein von dem Kaiser ab; so lange er in seinem Pol»»steht, kann er nicht, gleich andern Staatsdiencrn, zum Tode veru»theilt werden. Nur absetzen kann ihn der Kaiser, jedoch kann w«Vermögen dabei nicht confikcirt werden. Der Mufti wird als Ausu-ger des Coran über alle gerichtliche» Handlungen, besonders in pem-

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