Mozart (I. C. W. A.) Z°s
lintern zweihundert Ducaten, w ll sich aber, um der Arbeit diemöglichste Vollendung zu geben, an keine Zeit binden. Nichts desto-lvemger zahlt der Bote den »erlangten Preis in voraus, und ner-spricht bei Ablieferung des Werks noch eine bedeutende Summenachzuzahlen und nach einigen Monaten wiederzukommen. Wäh-rend der Zeit erhält Mozart den ehrenvollen Auftrag, für die Krö-nung zu Prag L.» olsmoiira cii 1 ire> zu schreiben, und ist eben imBegriff, in den Wagen zu steigen, um sich dorthin zu begeben, alsjener Bote erscheint und an das lieguivm mahnt. Mozart ent-schuldigt sich und verspricht, nach seiner Aurückkunft aus Prag so-gleich an die Arbeit zu gehen und sich alsdann durch nichts an derenVollendung stören zu lassen. Der Bote scheidet. Mozart beginntnach seiner Zurückkunft aus Prag die Komposition der SeelenmesseMit einem Enthusiasmus, mit einem Interesse, welche ihm bis dahinnoch keins seiner andern Werke eingeflößt hat, so daß seine Gattinvon einer so ungewöhnlichen Anstrengung für seine ohnehin schonkränkliche Gesundheit alles befürchten zu müssen alaubt; ja, Mozart! äußert einstens mit Thränen in den Augen, daß er das Keguism
für sich selbst sehe. Seine Gattin entreißt ihm die Partitur
und gibt sie ihm nur auf sein inständiges Bitten und nach eineranscheinend völlig wiederhergestellten Gesundheit wieder. Mozart! endet die Arbeit bis auf ein geringes, fällt in seine" vorige Schwer-mut!, zurück, wird wieder krank und immer kränker, und stirbt amzten December 1792. Gleich nach seinem Tode erscheint der bewußte^ Bote, verlangt das Werk und erhält es, unvollendet, wie eS
! ist. Süßmayer soll hernach die Instrumente, welche noch'ffehlten,
! hinzugesetzt und das Werk so eingerichtet haben, wie es gedruckt in
: unsern Händen ist. Dies die Entstehung dieses Werks, die aber
j auf vielfach verschleime Art erzählt wird. Nun noch einige Bemer»l kungen über Mozarts Künstlerthum im Allgemeinen. Wenn manI die kurze Dauer seines Lebens und die Zahl von vollendeten Mei-i stecwerken, welche er geliefert hat, betrachtet; so kann man sich derinnigsten, tiefsten Klage über seinen so frühen Tod um so wenigerenthalten, als man sich nothwendig fragen muß, ob Mozart beiEngerm Leben nicht noch genialere Werke geschaffen haben würde?Wer ist im Stande, zum Troste der ganzen musikalischen Welt diese«rage zu verneinen, oder unsern Schmerz um Mozarts frühen Todgleichsam immerdauernd zu machen und jene Frage zu bejahen? Übri-gens will Mozart nicht besprochen, nicht erklärt, sondern bloß genos-sen werden: er ist ein Wunder, welches, der Ahnung und dem Ge-Ahle allein angehörend, von keinem Verstände berührt werden darf.Deßgleichcn seine Werke, die, ungeachtet ihres ganz neuerschaffnen,alle bis dahin betretene Bahnen verlassenden Charakters, durch ihreinnere, reiche, alle Mittel der Kunst erschöpfende, und doch zugleichhimmlisch klare Vollendung den Liebhaber, wie den eigentlichen Mu-siker, gleich mächtig anziehen. So ist sein Don Juan der Schlüs-1 sil, mit dem sich Mozart den Tempel des Nachruhms für ewige
> selten geöffnet hat, ein Werk, in dem alles erschöpft ist, was die1 Tecie des Menschen in ihrer tiefsten Tiefe abnet und empfindet,
aus. welchem uns der ewige Geist der Welt selbst mit seinem Hauches Gruben, Liebe und Hoffnung anweht, ein Werk, das selbst
> ? sittlichen Tendenz zu einem jüngsten Gerichte für alle Ler-ruchtheit wild, zu deren Gewisse» die Posaune (denn was ist diemit der Erscheinung des Geistes ertönende Musik anders ?) in schreck«