Müller (Friedrich) Müller (I. G. u. Fr.) 521
begeistern kann, hinweggerafft wurde, ohne einen Erben seinesGenies, seiner Kenntnisse und Entwürfe zu hinterlassen. L.
Müller (Friedrich), unter dem Name» Mahler Müllerbekannt, verdient als Mahler, Kupferstecher und Dichter einerrühmlichen Auszeichnung. Er ist 1750 zu Krguznach geboren, standfrüher in herzogt, zwcibrückischen Diensten, und gab schon von sei-nem achtzehnten Jahre an mehrere Sammlungen radirter Blätterheraus. Sie stellen meist Thiere, Compositionen in niederländi-schem Geschmack, Hirtenscenen rc. vor, und wurden wegen ihrer ori-ginellen Ideen und der Freiheit der Behandlung mit ziemlichem^ Beifall aufgenommen. Im Jahr 1776 ging er nach Rom, um seine> angefangnen Studien als Künstler fortzusetzen. Dort studirte erbesonders wach Michel Angela, allein auch er scheint an dieser, für' junge Künstler so gefahrvollen Klippe gescheitert zu seyn. „Diei Nachahmer des Michel Angela pflegen fast allemal, anstatt der! wirklichen echten Großheit seines Styls, bloß seine Manier aufgrei-fend, ins Übertriebene zu verfallen." So ging es auch unsermjungen Künstler, und so kam es, daß die gute Meinung und Hoff-nung, welche sein Talent früher erweckte, nicht ganz erfüllt wurde.Seine spätern Arbeiten, welche sich durch wilde romantische Ideenauszeichnen, haben wenig Beifall gefunden. Desto größere Ver-dienste hat sich Müller aber als Dichter erworben, ungeachtet auchsie nicht sogleich erkannt worden sind. Au einer Zeit, wo unsre Li-- teratur sich in einer faden Langweiligkeit gefr'bl, wo die Dichtkunstgrößtentheils in eine versificirte Prosa ausgeartet war, traten kräf-. lige sinnige Männer auf, welche einen neuen Schwung in die. Lite,
! ratur brachten; Göthe, Bürger, Herder, Stollberg, Heinse, Klin-gel, und unter ihnen auch unser Müller, welcher mit den meiste»der Genannten in vertrautem Verhältniß lebte. Als er, noch inden 703er Jahren, mit einigen seiner Gedichte auftrat, schienenseine Poesien noch zu früh gekommen zu seyn, und sie wurden nurunter großem Widerstreit, und nicht mit allgemeinem Beifall aufge-nommen. Jetzt erst, nachdem Müller mit seinen, nunmehr gesam-melten Poesien im Jahr igli aufs neue hervorgetreten ist, hatman sein Verdienst gebührend gewürdigt. Schon unter MüllersIdyllen findet man einige vortreffliche, wie z. B. die echt deutschen»Ulrich von Koßheim," „die Schafschur," und „das Nußkernen."allein seine Meisterwerke bleiben doch die „Riobe," sodann „Faust,"und seine „Genovefa;" Dichtungen, welche neben Göthe'S undTieks Bearbeitungen bestehn. In ihnen findet man eine hinreißendeKraft, Begeisterung der Leidenschaft und große Charakterzeichnung,freilich mitunter etwas wild und fragmentarisch. Müller lebt nochgegenwärtig in Rom, und beschäftigt sich mehr damit, die dorthinkommenden Fremden als Führer mit den Werken der Kunst vertrau-te zu machen.
Müller (Johann Gotthard und Friedrich), Vater und Sohn,Mi der vortrefflichsten jetzt lebenden Kupferstecher Deutschlands.
, Ber Vater wurde im Jahr 1747 zu Bernhausen in Wirtemberg ge-boren. Seine Neigung zur Kunst führte ihn frühzeitig von der«.heologie, der er sich eigentlich widmen sollte, ab, und nach Stutt-gart. Da sein Talent sich bald in ganzer Größe zeigte, so erhielt« kurz darauf vom damaligen Herzog einen Gehatt, der ihn inben Stand setzte, im Jahr 1770 nach Paris zu gehn. Hier machte«r unter unsers berühmten Lanosmanncs Wille Leitung die schnellsten