Musaus (Johann Carl August) 543
irren es wenige gibt. Er war Herr des feindlichen Lagers, desfeindlichen Geschützes, und des feindlichen Reichthums. Luch hätteer den besiegten Carl als Gefangnen zu seinen Füßen gesehn, aberder Vernichtete sprengte, von zwölf ihm übrig gebliebenen Reiternbegleitet, mit verhängtem Zügel davon, und sah nicht eher rück-wärts, als bis er sich zu Soigne, einer sechzehn Meilen von Mur-ten entfernten, in der Champagne belegenen Stadt,- befand, vonda er »ach Besannen ging. Die dankbaren Sieger machten dembraven Renatus mit des Besiegten Zelte, so wie mit seinem Ge-räthe und allem Geschütze ein Geschenk, versprachen ihm Hülfe, wovnd wann er sie brauchen werde, und hielten als Männer vonTreue und Glauben ihr gegebnes Wort. So hat sich Murte» inder Geschichte der Eidgenossenschaft und des igten Jahrhunderts ei-nen Namen gemacht. Nach ältern Geographien befindet sich in ei-nem, eine Viertelstunde von der Stadt an der Reichsstraße belegc-nen Dorfe Meerlach eine verschlossene Capelle mit vielen Todtenbei-nen und Hirnschädeln, an welcher man folgende Inschrift lies't:Oroii. incivri er torrissimr Uucis oxsreiru,, lVlursrum oftsi-<ien,, air üelverii» 0LS8US, Iroo Slli maiilimentnm reliquir,Lnno 1476. Und weiter unten folgende Reime r
Dies Gebein ist der burgundischen Schaar,
Im Vierzehnhundert siebzig und sechsten Jahr,
Dar Märten durch ein Etdgenoßschast,
Erlegt mit Beistand Gottes Kraft.
Bus der zehntausend Rittern LagGeschah dies große Niederlag.
Bon dem Herzoge von Burgund sagte män: „Er habe in derSchlacht bei Grandson seinen Reichthum, bei Murten seine besteMannschaft, und bei Nancy sein Leben verloren. " DU.
Musäus (Johann Carl Luzuft). Dieser beliebte Schriftstellerwar 1735 zu Jena geboren, und wurde in dem Hause seines Vet-ters, des Superintendenten Weißenborn zu Altstadt, der nachherals Generalsuperintendent nach Eisenach kam, bis in sein neunzehn-tes Jahr mit väterlicher Liebe erzogen. Dann studirte er viertehalbJahre in Jena Theologie, wurde darauf Magister und Mitgliedder deutschen Gesellschaft, kehrte sodann zu seinen Altern zurück undlebte einige Jahre in Eisenach als Candidat des Predigtamts. Ersollte Landpfarrer bei Eisenach werden, aber dir Bauern widersetz-ten sich, — weil er einmal getanzt hatte. — Der Grandisonmachte damals allgemeines A.iffehn und verrückte manchem schwa-chen Leser den Kopf. Gegen diefts Unwesen schrieb Musäus im I.i?bo seinen Grandison den Zweiten, eine satirische Parodie,die viel Beifall fand. Im I. 176z wurde er Pagcnhofmeister amweimarschen Hofe und sieben Jahre nachher Professor am dortigenGymnasium. Dabei gab er Privatunterricht und nahm Kostgängeri» sich. Nach langem Zwischenraume trat er endlich wieder alsSchriftsteller auf, um abermals eine Thorheit der Zeit zu strafen,die Physiognomik, deren zu weit ausgedehnte Anwendung zu denseltsamsten Verirrungen Anlaß gab. Er that dies in seinen phy-siognomischen Reisen, die ihm einen verdienten Ruhm er-! warben. Aufgemuntert durch den allgemeinen Beifall, faßte er jetzt! den Gedanken, Volksmährchen der Deutschen zu schreiben,
! den er auf gleich originelle Weise ausführte. Er sammelte sie un-mittelbar aus dem Mund« des Volks selbst, und gab sie in ihrer