Band 
Sechster Band. M und N.
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542 Murten

ermordet. Der Verdacht siel auf den Grafen, und mochte wohlnicht unbegründet seyn, denn dieser begab sich nach Bern, und boteine vollkommne Genugthuung an. Bei der Zurückkunft in seineGrafschaft fand er aber die erfreuliche Nachricht vor, daß Carlder Kühne (von Andern, und wohl richtiger, der Verwegnegenannt), ihn zum Marschall bestellt dabe, und das war, um ihnfür seinen neuen Herrn zu gewinnen, mehr als genug. DenSchweizern entfiel bei den Zurüslungen und dem Andringen ihresmächtigen Feindes der Muth. Sie erboten sich zur Zurückgabe des-sen, was sie ihm bereits abgenommen hatten, und sprachen den Kö- >nig Ludwig XI. um seine Vermittelung an. Die er gab dem küh,nen Herzoge von Burgund den freilich sehr naiven Ratb (von demman wohl wünschen möchte, daß er auch in neuern Zeiten ertheiltund befolgt worden wäre), daß er ein Volk Nicht beunruhi-gen möge, das arm, und von dem er also keine großeBeute zu erwarten berechtigt sey. Der Herzog achtete die-ser Lehre nicht, we l er dem Grafen von Romont, ihn zu ri- .chen, versprochen hatte. Der Krieg begann. Carl ging über den ^Berg Jura, drang bis Lausanne vor, belagerte Grandson (deutschGransec), eine Stadt an einer Anhöhe beim neuenburger See, nahmsie ein, und ließ einen Theil der Besatzung aufhängen, indem er lden andern Theil in die Tiefe des Neuenburger Sees zu stürzen be- 'fahl. Diese Barbarei erbitterte die bedrohte Schweiz. Achtzehn- -bis zwanzigtausend Mann stellen sich dem tyranni'chcn Sieger ent-gegen, dessen Heer mehr als funfzigtausend betrug. Es kam amsten März 147Ü zur Schlacht. Die Burgunder hakten die Unvor- >stchtigkcit, sied in einen schmalen, von Anhöhen eingeengten Wegznbegeben, die Schweizer sielen sie an, schlugen todt, wa« nicht wei-chen wollte, nahmen dem Herzoge sein Geschütz, sein Kriegögeräth,seine ganze Feldcaffe, und selbst seme Edelsteine wurden ihnen zu .Theil. Grandson wurde von ihnen wieder genommen, und, leider! ,versichert die Geschichte, daß sich die Schweizer, anstatt den oer-wegnen, bösen Herzog durch Edelsinn zu beschämen, sich auf dasgrausamste gerächt haben. Auch sie hängten zum The>l die gefangengenommne burgundische Besatzung auf, und ertränktet! den Rest indem neuenburger See. Nun nahm dieser Krieg einen noch böserenCharakter an, als womit er bisher geführt worden war. Der er-bitterte Carl ersetzte so gut, als es sich bewirken ließ, seinen Ver-lust. Vierzigtausend Mann waren in kurzem wieder zusammenge-bracht. Der kühne Herzog stand an ihrer Spitze, und schon amroten des Brachmonats zeigte er sich vor den Thoren von Murtll.Zur Hülfe der Schweizer eilten die Continpente der mit ihnen ver-bundenen rheinischen Städte, Straßburg, Basel, Colmar, S-Mustadt, Kaisersberg, des Sundgaus und der Grafschaft Pfridt in Eil-märschen herbei. Den Oberbefehl erhielt Renat us, Herzog vonLothringen, ein kluger und herzhafter Mann. Ihnen gegenüberstand Carl von Burgund. Die Annalen jener Zeit geben lei-nen Vortrab üuf 8o,voo, und seinen Nachzug aus Zo,ooo Mann an.Rena tu S von Lothringen fürchtete dennoch den Kuynen und -ver-wegnen nicht. Durch einen Überläufer von der Stellung des Fe>»'des benachrichtigt, rückte er ihm mit schnellen Schrickt» entgegen,drang auf die Vorwochen ein, brach durch, stürzte sich mit den wwvsraneilendcn Flüchtigen in das Lager der Burgunder, wurde durmdie Besatzung von Murten verstärkt, und erkämpfte s« «inen