258 Musik (Geschichte der)
jedes Intervall eines ganzen oder kalben Tons so groß al« darandere s»y. In dieser Zeit bestand das Tonsystem der Griechen inTetrachorden und Pentachorden; sie hatten, wie so eben gesagt,achtzehn Hauxttöne und drei Klanggeschlechter, das enharmonische,chromatische und diatonische, von denen wieder jedes fünfzehnTonarten hatte. Zur Zeit des Aristoxenus wurde nun das enhar-monische Klanggeschlecht abgeschafft und dafür das chromatische ein,geführt, dessen Erfindung Einige dem Epigonus, andere dem Time-theus Milesius (starb Z57 vor Christi Geb.) zuschrieben. Eutlidesißübrigens der erste und älteste Schriftsteller, der 277 vor Christ Geh.die mathematische Klanglehre in einer gewissen Ordnung behandelthat. Als die griechische Herrschaft zu Ende ging und die Griechenunter römische Herrschaft kamen, sing auch die Musik an, bei ihnenzu sinken. Die Römer erhielten die Bocalmufik, besonders die,deren sie sich bei ihren Opfern bedienten, von den Hetruskern.Die Instrumentalmusik bekamen sie von den Griechen, besondersvon den Arkadiern, welche die bei ihnen üblichen Instrumente dabinbrachten. Docker kannten die Römer nur die Schäferpfeife. Dieersten Saiteninstrumente kamen 186 Jahr vor Christi Geb. in Romauf, von denen vermuthlich die Lyra der Arkadier -das erste war.Unter den Römern hat zuerst Vitruv, in seinem Werk von der Bau-kunst, etwas über die Musik geschrieben. Unter ihren Nachkommen,den Italienern, hat, wie wir im Artikel Musik gesehen haben,eine von der alten Musik ganz verschiedne Gattung der Tonkunstbegonnen, welche man daher, vorzüglich von 1022 an, wo GuidoAretino lebte, MiisicsM r»nriguc»-Mocisin»m nennt. Bon diesembehauptet man, daß er die alte musikalische Leiter von fünfzehnSaiten, wie sie kurz vor dem Aristoxenus war, vermehrt und un-ten eine, oben aber noch vier hinzugefügt hätte, woraus dann dumusikalische Leiter von zwanzig Stufen entstand. Wenn man aberbehauptet, daß Guido Aretino eine bloß funfzehnsaitige Tonleitervorgefunden habe; so vergißt man, daß bereits von Aristoxenusdiese Tonleiter zu achtzehn Saiten vermehrt worden war. Warumwar also zu Arellns Zeiten nur eine fünfzehn- und keine achtzehn-saitige Tonleiter vorhanden? Bei den Deutschen war bereits Bar-dus k-, der fünfte König der alten Gallier, ein großer Freund derMusik und Dichtkunst. Von ihm sollen auch die Barden di"Namen haben, welche bei den Deutschen die ersten Lehrer der Mul»waren. Notkel Ladeo (Notker Balbulus) zu St. Gallen im achtenJahrhundert schrieb unter den Deutschen zuerst von der Musik unocomponirte auch zuerst ssguenrias Missales- Huygens erfand reSystem der Musik, so wie Sauveur ebenfalls ein ganz neues NVstein der Musik angab und es 1701 bekannt machte. Die Harmom,oder die Zusammenstimmung mehrerer einander begleitenden Stimmist den Alten ganz unbekannt gewesen, unter den Neuern aber a -sangs bloß nach Gehör und Empfindung behandelt, und erst vRameau 1722, wiewohl mit vielem Willkürlichen vermischt, m eSystem gebracht worden. Einer hat 17ZY die Tonkunst ganz mthematisch behandelt und zuerst über die vorher bloß durchund durch Erfahrung verbesserten Blasinstrumente etwas issundumgesagt. Übrigens sollen wir, nach einer Tradition, die durch elange Reihe von Jahrhunderten bis auf uns gekommen ist, w.°noch jetzt gebräuchlichen Kirchentonarten die meisten ,vo-ic>- mu>>ter Griechen besitzen. In wie fern diese Behauptung gegründet > v >