Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
605
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Nation

«uf die Eprachorgane, ohne deren Verschiedenheit unter denMenschen mehrere Sprachen nicht möglich seyn würden. Dessenungeachtet wäre es thöricht diese Borschiedenheit^der Sprachen bloßvon dem Äußern, und nicht auch vorzüglich von der unter Raumund Ieitverschiedenheiten sich entwickelnden- Eigenthümlichkeit desinnern Zusammenlebens der durch Abstammung und gemeinsamen Erd-aufenthalt vereinigten Menschen ableiten zu wollen. Denn wie daSZnnere und Äußere überall in Wechselwirkung steht, so muß ebensowohl die gemeinsame und verschleime Bildung der Sprachorgane unddes hiermit in natürlicher Verbindung stehenden Gehörs die Verschie-denheit der Sprachelemente, als die gemeinsame und verschiedneKichrung, welche das Denken, Fühlen und Begehren nimmt, aufdie Bildung, Verbindung und Gliederung dieser Sprechelemente zueinem gemeinschaftlichen Bezeichnungssystem des innern und äußernkebens einen unverkennbaren Einfluß äußern. Die Sprache ist esalso vorzüglich, welche die Glieder einer Station verbindet, und sievon andern Nationen unterscheidet; denn in der Sprachewird, namentlich in der Association der Worte mit Begriffen, undin den ihr eigenthümlichen Gesetzen der Wortbildung undWortfügung, so wie in den gangbaren Sprüchen und Redensarteneines Volks die in ihr herrschende Denk- und ^Vefühlsweiss gegen-ständlich und zur Norm erhoben. In der Sprache wird das Edelstemitgetheilt, und wie sich Wissenschaft, Poesie, Gewerbe und Pri-vatleben ihre Sprache bilden, verschieden durch die Herrschaft desBegriffs oder der Anschauung, so bestimmt . auch wieder dieSprache das Denken und Dichten des Gelehrten, Künstlers undGeschäftsmannes auf vevschiedne Weise und meist unwillkürlich. All-gemein ist dies auch in unserer Zeit ausgesprochen worden, in demSahe: die Sprache ist Ratronaleigenthum und Nationalheiligthumeiaes Volks und dasjenige, was alleGliederdeffclben auf das innigsteverbündet. Hier muß jedoch bemerkt werden, daß die Begriffe desVolks und der Nation oft verwechselt werden. Denn wenn man un-tsr Volk nicht überhaupt eine unbestimmte Mcnschenmaffe oder eineVereinigung mehrerer Familien versteht, welche in einem gewissenkandstrrchc verbunden lebt, so fällt auch der Begriff des Volks mitdein Begriffe der Nation keineswegeS zusammen. Denn.«icht im-mer befiehl ein Volk aus einer Nation, so wie nicht immer eineNation ein Volk bildet. Der Begriff des Volks im engern Ginnaamlich deutet auf einen Staat hin, welcher (wie der preußi-sch eben sowohl mehrere Nationen begreifen kann, als eineNation (z. B. die deutsche) mehrere Völker oder Staaten um-faßt. Das günstigste Geschick ist einer Nation dann zu Theil ge-worden, wen» sie (wie die französische) zugleich nur c-rnen Stiät,mithin ein Volk bildet, das, unter einer Verfassung und Oberherr-schaft vereinigt, stark und kräftig jedem äußern Feinde widerstehenrann und mit mächtigem > Ansetzn ausgerüstet ist. Dann wird auchstr Nationalcharakter und die Nationalehre fester undNitschiedner sich aussprechcn, ohne durch Trennungen und innere^«bangen der Glieder der Nation verwischt oder geschwächt zuwerden, wie dieses z. B. bei den Deutschen der Fall ist. LetzteresM oft Grund, warum man einer Ration sogar den Ratio n al-d-^^.tcr völlig abgesprochen hq.t; obgleich, wie schon ausobrgen hervorgeht, wo nur immer eine Nation besteht, sie auch'"cht ohne diel«, gedacht werden kann, nur daß derselbe sich mehr