Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
622
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6r2 Naturlehre

grausamsten, die Thiere in der Zeit der Brunst am streitsüchtigste»und grimmigsten sind, und selbst die Waffen und Werkzeuge derBe> tbeidigi'Ng und des Zorns bei ilmen in Verbindung mit de»Sekretionen der Zeugungsorgane in Wechfelverhältniß mit diese»sollen steyen, so daß dem Hahn die Sporen, dem Hirsch das G«,weid »echt wachsen, sobald sie an jenen Organen von Natur oderdurch Kunst verstümmelt sind. Hieher gebort auch die .Verwandt-schaft des Hochmuths mit Wahnsinn und überhaupt die Verwandt-schaft des einen Lasters mit andern Lastern, einer Tugend mit an-dern Tugenden. In dieses Gebiet und in die Erkenntniß solcherhöchsten Naturgesetze dringt nur das geschärftere Auge ein, welche!sich nicht gescheut jene Augensalbe zu gebrauchen, welche jetzt nie-mand mkhr kaufen mag.

Naturlehre oder'Physik he-st der Theil der Naturkunde,welcher die Eigenschaften, Kräfte unh Wirkungen der Naturkdipir-kennen lehrt. Drr Gränzen dieser Wissenschaft lassen sich jedochnicht mit völliger Bestimmtheit ziehen, da sie auf vielen Seite»mit der Mathematik, Chemie und Naturgeschichte zuzammenflicßt.Der Grüns zur Naturlehre wurde schon im frühen Alterthume ge,legt. Der häufige und unentbehrliche Gebrauch der Naturkörpcrführte von selbst dahin, ihre Eigenschaften und Kräfte kennen zulerne». Diese Kenntniß aber war unvollständig, oberflächlich. ESverstrich über ein Jahrtausend, bis man die gemachten Beobachtun-gen wissenschaftlich ordnete. Dies geschah zuerst von den Chaldäer»und Agnpter», die auch in der Kenntniß der Naturkörper und ih-rer Kräfte sich vor den übrigen Völkern der Vorwelt auszeichne«».Die Griechen, weiche von ihnen lernten, ließen sie bald hinter sichzurück. Sie waicn, so viel wir wissen, die ersten, welche die vor-handnen physikalischen Kenntnisse als eine besondre Wissenschaft be-handelten und studirte», die -ihnen ein Theil der Philosophie war."Was ihnen an Beobachtungen und Erfahrungen fehlte, suchten sier-urch Hypothesen, Specularionen und Subtilltäten zu ersetzen undgeriethen dadurch auf unzählige Abwege. Bon den Römern wurded>c Naturlehre wenig bearbeitet. Sie schlummerte darauf, wie alleÜbrigen Wissenschaften, bis zu den Zeiten der Araber. Diese schöpf-ten sie aus dem Aristoteles, dessen Werke sie vielfällig bearbeitete»und cvmmentirten. Unter den Christen des Wittelalters hindertereligiöser Aberglaube das Aufblübn der Naturlehre; der Verdachtdem "Zauberei traf denjenigen, der sich nur einigermaßen durch Ke.iint-nsiß der Natur über sein Zeitalter erhob. Außerdem aber befandman sich auf durchaus falschem Wege; statt die Natur zu beobach-ten, verfolgte man die leeren aristotelisch-scholastischen Grille».Erst zu Anfange des ij-ten Jahrhunderts sing man endlich a», dierichtige Methode zu befolgen. Damals bemühte sich Baco von M>rrilam, mit Nachdruck zu zeigen, wie nothwendig es sey, sich, u»düe Natur kennen zu lernen, von der Erfahrung leiten zu lass'»-Schon vor ihm hatten Copernicus Und Tycho de Brahe das aristo-telische Lehrgebäude angegriffen und die Schwächen desselben aufge-deckt. Bald traten nun auch Galilei, Kepler und Andre auf, u»°eiferten muthig für die Wahrheit. Sie öffentlich zu behaupte»,war indeß in jenem Zeitalter, zumal wo der PapismuS hernchre-mit großer Gefahr verbunden. Nur langsam siegte die Wahrden,wozu die Erfindung mehrerer physikalischen Instrumente nicht we» Sdecrrug, indem man mit Hülfe derselben genauere Versuche anst«"