6zv ' Naumburg
Älter» und sein Vaterland wiederzusehn, in dem er Dienste z»erhalten hoffte, bewog ihn, »ach ernem Aufenthalte von acht Jas-ren in Italien, seinen Ältern eine seiner Kompositionen mit derMitte zuzuschicken, sie dem sächsischen Hofe vorlegen zu lassen,. Nau-manns Mutter überbrachte diese Komposition der Charfstrstin Mut-ter., Marie Antoinette. Diese Fürstin zweifelte anfangs als Ken- '»erin der Kunst, ob der Sohn der Bäuerin diese Komposition ge-macht habe; allein durch Erkundigungen, die sie in Italien einzieztnliest, davon überzeugt, berief sie den jungen Raumann na» Dresden,wo er im Jahre 1765 als churfürstlicher Äirchencomponist nrt 220Thälern Gehalt angestellt wurde. Bald darauf erhielt er die Stelleals churfürstlicher Kammercomposileur und den Auftrag, eine Reise«ach Italien zu machen. Auch auf dieser Reise verweilte er amliebsten zu Neapel. Im Jahre 1769 kehrte er nach Dresden zurück,um zur Vermählung des Churfürsten die große Oper: la sillomem!»-li Litn, zu componiren. Im Jähre 1772 machte er seine dritteReise nach Italien, wo er sich zwei Jahre aufhielt, und nach de-ren Beendigung er zum Kapellmeister mit einem Gehalt von irooThalern ernannt wurde, welche Besoldung später auf 2000 erhöhtward. Zur Geburtstagsfeier des Königs von Schweden componirteer im Jahre 1776 die große Oper Amphivn, und zur Einweihungdes neuen Theaters zu Stockholm 1780 die Oper Cora. Auch or-ganistrte er das Orchester zu Stockholm, welches eins der ausge-zeichnetsten in Europa wurde. Für den dänischen Hof componirteer im Jahre 1785 die Oper Orpheus. Die Könige von Schweden,Dänemark und Friedrich Wilhelm II., König von Preußen, gabenihm besondre Merkmale ihrer Gewogenheit. Er wurde mehrereMale bei besonder» Gelegenheiten nach Berlin berufen, führte hiermehrere seiner Kompositionen auf, und erwarb sich um die berlinerKapelle noch em besondres Verhienst durch die Bildung des nachhe-rigen Kapellmeisters Himmel und der Mademoiselle Schmalz. AmLosten Octobcr i8or wurde er aus seinem kleinen Landsitz bei Ma-sewiz vom Schlage gerührt, woran er den Lzstcn desselben Monatsstarb. Das in der Geschichte der Künstler und insbesondre der Mu-siker seltne Schicksal, unter glücklichen Verhältnissen seine Tage be-schlossen zu haben, verdankt Naumann vorzüglich der Sanftheitund Mäßigung seines Charakters. Er hat eine Menge von^ Kom-positionen für die Kirche, das Theater und die Kammermusik hin-terlassen. Auch auf der Harmonica hatte er eine bewundernswür-dige Fertigkeit, und setzte für dieses Instrument sechs Sonaten, dieeinzigen, die überhaupt in, dieser Gattung cxistire«.
Naumburg, ehemals ein lutherisches Bisthum in Thüringenund Meißen, längs der Saale und Elster, dessen postulirter Ad-ministrator, der 1713 verstorbne Herzog Wilhelm zu Sachsen-Ieitz,wegen seines Übertritts zur katholischen Religion 1717 von demDomcapitel der Administration für unfähig erklärt wurde, woraufChursachsen als Erbschutzherr eine Interimsregierung anordnete, bisendlich das Domcapitel auf vorhergeschloßne Kapitulation und aus-gestellte Reversalieu 1726 das Stift an das Churhaus von Sachsenübergab. Der Sitz der vormaligen Bischöfe war gewöhnlich in Zeitz,des Bomcapitels aber in Naumburg. Das vereinigte Stift vonNaumburg und Zeitz hatte, wie Merseburg, bis zum I. 1814 s""!eigne Verfassung, Regierung, Kammer, Konsistorium u. s. w. DasDoincupitel besteht aus 21 Mitgliedern, worunter zwei leipz-gcr