Nccker (Susanne)
ausgebildet. !lls das Glück ihren Gemahl erhob, bediente sie sich.ihres Ansehns und VttmögenS nur zu Zwecken der Wohityäiigkmund Menschenliebe.. Sie hatte in der Nähe von Pans aus eign«Kosten ein Hospital gegründet, dem sie. ihre ganze Sorgfalt wid-mete. Unter den Gelehrten hatte sie ihres gebildeten und liebens-würdigen Geistes wegen vieke Freunde und Verehret; besonders ge-hörten dabin Thomas, Buffon und Marmonkel, welcher Letzte:«folgende Schilderung von ihr entwirft. „Frau von Nccker besitztnicht die Liebenswürdigkeit einer jungen Französin: den» sie ißmit den pariser Sitten unbekannt. Weder ihr Betragen, noch ihr«Sprache hat den Ton und die Haltung einer Frau, die in derSchule der schönen Kunst und der Welt erzogen ward. Ohne Äe- lschmack in ihrem Anzug, ohne Leichtigkeit in ihren Bewegungen,ohne Anmuth bei aller ihrer Feinheit-, zeigt ihr Geist und ihr gai>< !zer Ausdruck zu sehr das Regelmäßige, als daß er Grazie yadeokönnte. Was ihr aber einen eigenthümlichen Reiz gibt, ist je:,ersittsame Anstand der Unschuld und Güte. Eine tugendhafte Erzie-hung und einsame Studien haben ihr alles gegeben, womit die- Kunst seltne Anlagen des Geistes erweitern kann. Ihre Eirpßli-duuz war vollkommen richtig; aber was sie dachte, war oft v«r-.worren und breit. Das Nachdenken machte ihre Begriffe nicht kla-rer; wollte sie ihre Vorstellungen zum Allgemeinen erheben, s»verlor sie sich im Überspannten. Sie sah gewisse Gegenstände nurdurch einen Nebel, der sie ihrem Blicke vergrößert zeigte; so wurdeauch ihr Ausdruck beinahe schwülstig, ja sogar lächeilich, wärt ernicht zugleich so unbefangen aufrichtig gewesen. Ihr Geschmackwar weniger Tact, als Folgerung aus gesammelten und abaeschrii-benen Urtheilen Andrer. In dein schriftlichen Ausdruck lieote ß«nur das Hohe, Majestätische und Prächtige; die feinern Abstufun-gen und zarten Mischungen des Tons und der Farbe, die Naive-tät in Lafontaine, das Natürliche in der Sevigne, zogen sie weni-ger on. Ihr entging das Leichte, das Hingeben, und oic Anmuth -der Nachlässigkeit. Sie verwarf in dem Hähern Style Alles, wa» !den Ton des Umgangs berührte. Thomas oder Buffons Arisch»galt bei ihr mehr als Racine. In Allem, was sie that, selbst i» >
ihren Erholungen, ging ibr Regel und Ordnung über Alles. Mitder größten Sorgfalt und Aufmerksamkeit behandelte sie jedermann iin ihrer Gesellschaft; aber, was sie Verbindliches sagte oder that, -war vorher überlegt: nichts kam unmittelbar aus ihrem Gefühl«- i
Sie that Alles einzig für ihren Mann. Diesen sollten wir kenn«» ,
le>nen, ihm geneigt werden, mit Beifall von ihm sprechen, sei»«» i
Auf gründen helfen; darum stiftete sie bei sich einen geley'-ten G«< I
sellschaftscirkel. Aber nicht genug, ihr Saal, ihre Tafel mußt«« <
für ihren Mann Erholung seyn und Schauspiel; denn -n der That ,
machte er daselbst nur den kalten, stummen Zuschauer. Bis aus «>- >
Nige feine Bemerkungen, die er hie und da anbrachte, überließ >r s
seiner Frau ganz die Führung des Gesprächs. Sie rbat ihr Mög- ,liches, besaß ober keineswegs den Ton der gefälligen Unterhaltung ,bei Tische. Kein Scherz, kein Einfall, kein Woclvlitz weckte Geiß l
und Rede. Stockte das Gespräch, so suchte sie unruhlg den Grün» j
in unserm Auge; doch ihre Gäste unketvielten sich gewöhnlich aus s
eigne Kosten, und erließen ihrem Wuth die Mühe, lieocns- ,
würdig zu seyn," — Sie starb zu Copet im 2ahr s?y4, "s» >