Nibelungenlied 685
einer unserer ersten'Kmistrichrer aus seinem Gehalt, als Geschichts-w«k,.aus Bergleichung deutscher mit skandinavischen und'ungari-scheu Sagen, aus manchen die Leit eines in Österreich heimischenDMers.'verrathenden Spuren geschloffen hat. Eden so hat dieserKunstrichter (A. W.s Schlegel) gezeigt, daß weder Wolfram vonEschenbach, der offenkundige Gegner und Spötter desselben, nochder unter Rudolph von Habsburg, mithin zwei Menschenaltcr spaterlebende Konrad von Würzburg, noch endlich der in der Mitte desiztcn Jahrhunderts blühende Marner Verfasser seyn konnten. Viel-mehr hat er aus des Dichters einseitiger örtlicher Kenntniß, diemehr das südliche als nördliche T.eurschland., besonders genau aberÖsterreich kannte, aus dem entschiedenen Wohlwollen für Ungarnund Abneigung gegen die Bayern, welche er mit einem herrschendenFürstenhaus theilte, endlich aus schmeichelhaften Beziehungenauf dasselbe (babenbergische) . Fürstenhaus auf Kling sehr ausUngarland, oder Heinrich von Ofterdingen geschloffen,welche beide dem Dichterwettstreit an Landgraf HerrmannsHose zu Wartburg 1207 beiwohnten. Die Ze>t, in welcheder Gegenstand des Gedichts fällt, ist die des Hunncnkönigs Etzeliu,oder Ättila gegen 4.A0 oder 440; die Scene am Rhein und aufÖsterreichs und Ungarns Gränze. Die Fabel des Gedichts anzuge-ben enthalten wir uns um so mehr, da sie auch durch Fcuque's lrcss-lichen Norderheld uns aufs neue vorgeführt worden ist. Wüßteman aber nicht, daß jedes Dichterwerkes Verständniß und sinnigeAufnahme eine innige Liebe und Hingebung federt, durch welcheman in sein Gefüge eindringen muß, und wäre dies gerade nichtum so schwerer, je entfernter Zeit, Ort und Darstellungsgabe vonden unsern liegen; wäre nicht Gesetz aller Welrerscheinung, daß dasTreffliche und Edle sich am Unedlen und Gemeinen hervorhebt;wäre überhaupt der Deutsche nicht so gleichgültig gegen die eignenllrerzeugniffe seines tiefen Geistes und minder empfänglich für dasAushei,nische: so müßte allerdings die Herabsetzung befcemden-welche dies nur erst wieder erweckte herrliche Dichkwerk zum Tbeilunter uns erfahren hat, das tiefe stolze Lebenskraft, wie kecke To-deslust, schlichte Gediegenheit mit großartiger feiner Sitte undZartheit, Herztiefe Liebe und Treue in allen, auch den stürmischstenVerhältnissen des Lebens, würdige hohe Männlichkeit, wie anmu-thiges, holdseliges Frauenthum in tief verschlungnem sroßartigemLebenszusammenhang durchaus offenbart. Da ist nichts Kleines und Un-bedeutendes trotz alles kindlichen Spiels und Berweilens in den Zrerathendes Lebens. Die Gemüther leben sich aus und enthüllen, ihres un-erschöpflichen Liebereichthums gewiß, Ait der sichersten, das HerbsteNicht scheuenden Kraft selbst die schauerlichste Tiefe, die durch denTon frommer Hingebung an das Alle überschwevende zum duftigstenHintergründe wird. Die hier auftretenden Männer und Frauensind durch die Weihe der Mähr, in welcher sie leben, die anschau-lichsten, gedrungensten Stellvertreter von einer Gesammtzeit einesstoßen Volks, sind das Mark eines uttrasftgen Lebens, wogegendie kleinliche Schwäche und lose Zerstreutheit des unsern grell ab- -sticht;'wcßhalb, da Alles seinen Gegensatz ködert, gar nicht zu ver-wundern war, daß endlich die der Gegenwart überdrüßigen Gemü-ther an jener alten Zeit sich kräftigten und erfreuten. — Die me-trrfche Form ist übrigens die vicrzeilige jambische und trochäischeStrophe in Reimpaaren mit sechsfachem Hauptaccent, auch spvndei-