772 Napoleon
sichern, durch rasche glänzende Siege die Bewunderung und denBeifall der Nation zu gewinnen, allmählig selbst den Gewalthabernsich furchtbar zu machen, ohne zu früh Eifersucht und Verdacht zuwecken; durch Erweiterung der Republik selbst und Abwchrung al-ler Feinde sich Frankreich zu verpflichten: das war und blieb nunsein großes Ziel, das er nie aus den Augen verlor. Die schönsteZeit seines Lebens war gekommen. Von nun an begann ganz Eu-ropa mit Staunen und Bewunderung auf den Mann zu sehn, derin allem außerordentlich erschien, so sehr in Kraft und Thaten alsin unbegreiflichem Glück. Bei allen Thaten und Ereignissen, dienun seine Schritte begleiten, suchen wir ihn, den Menschen, zu er-kennen, ohne in ausführlichere Erörterungen seiner Kriegsthaten,die wir nur andeuten, wie es für diesen Zweck sich eignet, einzu-gehn. Am gasten März 17yd übernahm er in Nizza, als Siche-rere Nachfolge?, die oberste Leitung der italienischen Armee. Ge-übte und bewährte Generale standen ihm zur Seite. Aber die Ar-Inee selbst war schwach und im Vergleich mit der Macht der Gegnerviel zu klein, dazu innerlich und äußerlich desorganisirt und in soschlechtem Zustande, daß nur Eremit glücklichen Erfolgen sich schmei-cheln konnte. Vor allem suchte er seine Soldaten zu ermuthige»,mit neuer Zuversicht zu erfüllen, und sie ihren elenden Zustand, ihreGefahd vergessen zu machen. Kühne Unternehmungen sollten ihnendie ersten Siege, diese blindes Vertrauen auf ihn und auf ihrGlück gewinnen, dieses sie unbesiegbar machen. Der große Feldherrsiegt seltner durch überlegne Macht als durch die Meinung' beiFeind und Freund, und.glückliche Benutzung derselben und des Au-genblicks. Napoleon feuerte durch begeisterte Reden die Seinigenan; als die ersten Angriffe gelungen wären, spotteten sie schon de-rer,, die sie eben noch gefürchtet hatten. Die ihm feindlichen Sol-daten zitterten bald vor seinem Namen, und die bis dahin siegrei-chen Feldherrn, bald aus der Offensive in die Defensive zurückge-worfen, verloren die Haltung, die Sicherheit, die Festigkeit in ih-ren Maßregeln. Während sie Kricgsrath hielten, handelte er»niährcnd sie mit jeder seiner Bewegungen ihre günstige Stellung,die großen Vortheile ihrer Lage, ihre Überlegenheit verloren, räumteihm jeder Schritt neue Vortheile, neue Begünstigungen ein, undselbst seine kleinere Zahl, stets in Einem Geist benutzt, auf EinenZweck gerichtet, durch keine Bedenklichkeiten und Rücksichten ge-hemmt, war durch ihre leichtere Beweglichkeit der Kühnheit seinerPlane und Unternehmungen günstig. Selbst die Gefahr und Bc-drängtheit seiner Lage ward ihm dadurch günstig, daß sie ihn zuungewöhnlichen, unerwarteten Maßregeln nöthigte, die er mit sei-nem Geist wohl zu ergreifen wußte, die Gegner aber, die nach denRegeln früherer Kriegskunst planmäßig fort agirten, in jedem Au-genblick irre, zweifelhaft machten, daß sie mehr von der schwächer»Macht und ihren Operationen abhängig wurden , statt diese in Ab-hängigkeit von ihren Bewegungen zu erhalten. Napoleon schufrasch ein völlig neues durchgreifendes Kriegssystem, das, so wenigregelrecht, ja so einseitig es seyn mochte, doch durch seine Neuheitund Verwegenheit begünstigt, und durch die Erfolge gerechtfertigtward. Indem er täglich in seinem neuen Kampf Alles aufs Spielsetzte, konnte er allein Alles gewinnen, war aber um so weniger inGefahr, Alles zu verlieren, als die Gegner sich nie entwöhnte», ;egrößer seine Verlegenheit war, um so größern Rückhalt bei ihm