Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
776
JPEG-Download
 

776 Napoleon

Die venetianifchen Lande und die Hauptstadt selbst blieben von denFranzose» besetzt. Am 27ste» März war die Constitution der cis-pa dänischen Republik proclanurt worden. Im Mai ward Ge-nua reyolntionnt, und ging am üten Juni aus den Trümmern ih-res alren Glucks, als die ligurische Republik, mir einer franzö-sischen Verfassung hervor. Am 28sten proclamirte Napoleon inMailand die neue ci Lalpinisehe Republik, durch welche die cis-padauische wieder «e'schlungen ward. Lucca entging nur durch wi-derholte Conttibutionen, die es leistete, dem nahen Verderben.Der König von Sardinien hatte nicht nur theuer den Friedenerkauft, sondern sogar zu einem schmähliche» Bündniß mit Frank-reich sich verleiten lassen. Gleichwohl ward auch in semem Landeder Same der Empörung ausgestreut, die Flamme der Revolutionangefacht und genädrt. Schon wendete Napoleon seinen Bück aufdas zertheilte Polen, und nicht ohne Bedeutung sammelte er einepolnische Legion; schon erstreckten sich seine verwegnen Absichten bisauf Griechenland und Ägypten, wenigstens suchte er. bereits seineVerbindungen bis dahin auszudehnen, und das Künftige vorzube-reiten. Unterdeß seufzten alle, die der verkündeten Freiheit ver-traut hatten, unter der schwersten Sklaverei und den drückendstenLaste». Denn sie mußten die Schaaren der französischen Heere näh-ren, kleiden, bereichern, da der allgebietende Feldherr sich der Re-publik gefällig, zugleich aber sich so selbstständig zu machen wußte,daß d'e Armee, ohne Unterstützung aus ihrem Reich, sich selbst er-hielt, ja noch unermeßliche Schätze, wenigstens von Kunstwerken,nach Paris sendete. Am i4ten Juli halte Napoleon allen Fein-den der französischen Republik an der Spitze seiner Armee den Kriegerklärt. Im August ging er von Mailand nach Udine, und eröff-nete am isten September zu Campo Formt» die Fricdensunrer-handlungen mit Österreich. Am isten Oktober ward der Desinitiv-friede geschlossen, der Österreich Belgien und seine schönsten italie-nischen Provinzen entriß, und vom deutschen Reich in geheimenArtikeln das linke Rhcinufer Preis gab. Zwar ward der Kaiserfür unersetzliche Verluste durch Venedig mit seinen Inseln und mitDalmatien entschädigt. Napoleon aber hatte durch unerhörte Plün-derungen und Räubereien in den eroberten Landen dafür gesorgt,daß diese sobald nicht als Hülfsquellen gelten konnten. Das neueDirektorium, das durch die Rövolution vom -sten September (i 8 tenFructidor) alle Gemäßigten von sich entfernt und verbannt hatte,ernannte Napoleon mit Treilhard und Bonnier zu Abgeordne-ten bei dem Reichsfricdcnscongreß zu Rastadt. Dort traf er (nach-dem er von der cisalpinischen Republik mit Äußerungen geschieden,die der unverstellteste Spott auf ihre Freiheit waren) am 2tzste»November ein. Kaum waren die ersten Unterhandlungen eingeleitet,als er am 2ten December auf Befehl des Direktoriums Rastadtwieder verlüß, und nach Paris eilte. Er sollte den Bcrathschla-gungen des Dircctoriums über die fernern Unternehmungen der Re-publik beiwohnen; eigentlich aber wünschte man nur, ihn auf einenPlatz zu stellen, wo er minder gefährlich scheinen konnte. Dennübermächtig war dieser republikanische Feldherr, der allein eine Ar-mee gegründet, große und folgereiche Siege erfochten, und vomMutterland? fast sich unabhängig gemacht, den Gewalthabern ge-worden. Man konnre zadliöse eigenmächtige Schritte ihm zum Bor-wurf machen; schlimmre standen zu fürchten. Die Republiken, die