Band 
Sechster Band. M und N.
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778
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778 Napoleon

unbearänztes Selbstvertrauen, das alles Vertrauen zu Gott und !'den Menschen verschlang, und mit blinder Zuversicht auf sein Glück !sich verwebte, wuchs mit jedem Schritte auf seiner prunkenden Lauf-bahn. Viele Erfahrungen, selbst der Undank, den er nach den fol-Kercichstcn Thaten in Frankreich erfuhr, verbitterten ihn noch mehr, 'machten ihn gleichgültig gegen das Urtheil der Welt, außer wo errs zu seinen Gunsten gebrauchen konnte, und lehrten ihn, auf den !Trümmern alles menschlichen Glücks seine Macht und Herrschaft zu igründen. Wie sehr ihn die Zeit und die Verhältnisse bei seinen iThaten begünstigten; er erkannte in Allem nur seine Überlegen-heit, und die Schwäche, Unfähigkeit, die er überall an Andern be-merkte, versenkte ihn immer mehr in dem Wahn, daß er über allezu herrschen bestimmt sey. Diese Herrschaft durch Kriegsthaten zubegründen, durch Staatskünste, die er im Flug sich zu e-gen machte,zu befestigen, durch die Borurtheile der Menschen, und alles, was ^ihm als Vorurtheil galt, zu vollenden, war nun sein höchstes Stre-ben geworden. Mit allem Heiligen und Schönen trieb er, wo esihm dienen ssllte, ein schnödes Spiel, und die erhabensten Ideender Menschheit wurden ihm eben so viele Gängelbänder, an denener die Menschen leiten wollte. Gleichwohl war diese Zeit, da er ials der Sieger Italiens und als Friedensstifter Großes vollendete,die schönste Zeit seines Lebens, weil es noch denkbar blieb, daß ein !so außerordentlicher, vom Glück so begünstigter Mensch, so anstößig !auch schon viele seiner Mittel waren, doch einen wahrhaft großen ^Zweck haben möge. Denn die Übel der Zeit waren ungeheuer; ,

daß er ihnen steuern wolle, verkündete er; sein innres Wesen warnoch zu wenig erkannt. Alles, was er später that und war, spie- ,gelt sich in dieser seiner ersten bewunderten Zeit, die in dem Bildseines Lebens besonders hervorgehoben werden mußte, weil Alles,was er später that und war, nur Wiederholung und Ausführung'seines Jugcndlebens ist. Was ihn nach Ägypten tr^eb, ist schwer,säst unmöglich zu berechnen. Daß nicht ein so hochherziger Zweck, ^als er vorspiegelte, ihn dahin leitete, ward wohl kund. Aber, obsein Ehrgeiz von träumerischer Hoffnung auf ein neues Reich, daser dort gründen könne, begeistert ward; ob er dort eine Herrschafterringen wollte, die in Europa unerreichbar schien; oder ob erFrankreich und Europa in Ägypten sich unterwerfen wollte: daslaßt die Geschichte unentschieden. Seine Flotte durchstrich schon das '

Meer; aber noch war der Zweck des Unternehmens und das Ziel, ^

selbst seinen Soldaten, ein Geheimniß. Nur England schien bedroht,und wares auch, nur von einer andern Seite als man wähnte. Am6ten Juni izyg erschien er vor Malta. Die Erlaubniß, mit sei-ner Flotte in den Hafen einzulaufen, ward, wie er wünschte, abge-schlagen. Am inten landete er auf mehrern Punkten, Werräthereiund die Unentschlossenheit oder Halbheit der Ritter lieferten ihmdiese Insel in die Hände. Die fast unüberwindliche Hauptstadt la !

Valette, mit andern festen Punkten ward schon am isten mit ei- >

ncr schmählichen Kapitulation, die den Orden und die Insel der j

Willkür des Siegers bloßstellte, übergeben. Wortbrüchig verletzte i

dieser bald den geschlossenen Vertrag. "Schnell waren die nöthige»Maßregeln zur Sicherung der Insel ergriffen, und schon am iften !Juni ging Napoleon mit seiner Flotte wieder unter Seegel. In-deß war die englische Flotte unter Nelson ihm nachgeeilt, und zwarvor «hm an den Küsten Ägyptens angekommen, aber weil sie ihn i