78o Napoleon
länger hielt, ward am 6ten März mit Sturm genommen, und neueGrävelthaten und Barbareien verübte hier die republikanische Ar-mee sammt ihrem Feldherrn. Am igten März stand er, nach Über-windung mancher Gefahren, vor Acre, und begann sogleich dieBelagerung. Aber tapfer ward der Platz vertheidigt unter Leitungund Unterstützung des englischen Admirals Sidney Smith. Na-poleons Armee ward schon durch den Zug in der Wüste geschwächt;die stets erneuten Kämpfe mit den Belagerten, die Anfälle der um-berschwärmenden osmanischen Schaarcn, noch mehr, verheerendeSeuchen, die in seiner Armee ausbrachen, hemmten, so wenig erMenschenblut schonte, seine Unternehmung. Zwar gelang es ihm,am igten April am Berge Labor einen starken Haufen Mameluckenzu schlagen; doch am Listen Mai sah er sich genöthigt, die Belage-rung Acre's aufzuheben, und den Rückzug anzutreten. Lausendeseiner treuen Soldaten hatte er vergebens geopfert. Unmuth, Rachetrieben ihn nun, auf seinem Rückzug alles zu verwüsten, und Spu-ren von Gräueln zurückzulassen, die ihm ein gräßliches Gedächtnißstifteten. Jaffa ward geschleift, aber scheußlicher war die Unthat,daß er dort seine pestkranken Soldaten, die seinen Rückzug hemm-ten, vergiften ließ, um sich ihrer auf einmal zu entledigen. AmI4ten Juni traf er, mit seiner erschöpften und sehr vermindertenArmee wieder in Eairo em. Zugleich von mehrern Seiten bedroht,erhielt nur er den wankenden Muth der Franzosen aufrecht. Einetürkische Flotte war bei Lbukir gelandet, und hatte das Kort ge-nommen. Napoleon eilte den Türken entgegen, schlug sie am Lüstenbei Abukir, vertrieb sie und bemächtigte sich wieder des Forts. Dieswar seine letzte That in Ägypten. Aus Frankreich erhielt er, be-sonders durch seinen Bruder Lucian, der über England die Verbin-dung mit ihm unterhielt, während das Direktorium ihn vergessenzu haben schien, sichre Kunde von der Lage der Republik. Schnellwar der Entschluß gefaßt, dorthin zurückzukehren, zumal er sichüberzeugt haben mochte, wie wenig noch in Ägypten zu hoffen sey.Wie ein Abenteurer gab er die ungeheure Unternehmung auf, welcheschon einen großen Theil der zahlreichen Armee gekostet, und diefür so hohen Preis nur geringe Ausbeute einiger antiquarischen Er-fahrungen eingetragen hatte. Heimlich, treulos verließ er im Elendsein getreues Heer, und bewährte so es von neuem, daß sein Egois-mus ibn überall nur sich suchen, nur sich denken ließ. Die Zeitseiner Schande war gekommen, ob wohl er noch großem scheinbarenRubm entgegenging. Lächerliche Großsprechereien und trügerischeHoffnungen ließ er den Franzosen in Ägypten und den Bewohnernzurück. Er selbst schiffte mit mehrern Generalen und Gelehrte», dieihn begleitet hatten, am Listen August sich ein. Am Zosten Sep-tember war er in seiner Vaierstadt Ajaccio, wo ungünstige Windeihn zurückhielten, und er indeß sich Mühe gab, sein Vaterland un-ter die französische Herrschaft, gegen die es von neuem sich regte,unabänderlich zu beugen. Am yten Oktober stieg er bei Frejus ausLand. Wie im Triumph kehrte er von glänzenden Siege» zurück;geleiert von allen Städten und Dörfern, die in ihm den Wieder-hersteller der Rcpubl'k zu sehn wähnten, zog er nach Paris, woer am i-sten Oktober eintraf. Der neue, große Act seines Le-bens, der vierte (oder der dritte), beginnt. Der Jubel der Pariserempfing den Helden, der, wie durch einen Zauberschlag, plötzlich«.schien. Aber erschrocken traten die zusammen, die froh, ihn fern