783 Napoleon
hatte der Senat zuerst von der Sicherung der Regierung durch eineerbliche Familiengewalt geredet. Am Zysten April erfolgte schon derwirkliche Antrag im Tribunal, die Regierung einem Kaiser anzu-vertrauen, und dieselbe in der Familie Bonapartes erblich zu machen.Nur Carnot sprach dagegen. Adressen «us allen Departementswurden veranlaßt, die bestimmt denselben Wunsch erklärten. Bereitsam igten Mai erfolgte das organische Senatsconsult, das der ver-nichteten Republik eine neue Berfaffung, in Napoleon einen Erb-kaiser gab. Der vierte Act seines Lebens (richtiger vielleicht derfünfte) beginnt. Am uosten Mai erschien die feierliche Proclama-tion der Kaiserwürde und das leichtsinnige Volk ward durch denneuen Glanz des Kaiserthums und seine Nationaleitelkeit leicht be-friedigt. Die angesehensten Generale der Republik versammelten sichals Reichsmarschälle um den Thron, und auch ihnen eröffneten sichglänzende Aussichten. Der Kaiser aber schien die neue Gewalt nur er-halten zu haben, zuerst die Verschworncn zu strafen. Pichegru warschon am Stcn April in seinem Gefängniß todt gefunden worden,wahrscheinlich heimlich ermordet. Moreau vertheidigte sich in allenVerhören mit Würde. Es war offenbar, daß er um die Verschwö-rung gewußt, ohne selbst Theil zu nehmen; aber auch für seinerunwürdig geachtet, den Angeber zu machen. Lausend Stimmen er-klärten sich laut für ihn. Eine neue Revolution schien ausbrechcnzu wollen. Der Mächtige wagte nicht, in Moreau's Blut seineRache zu kühlen. Am Morgen des roten Juni wurden die Urtelpublicirt: Georges mit iy Verbundenen zum Tode verurtheilt; Mo-reau mit vier andern zu zweijährigem Gefängniß; die übrigen los-gesprochen; nachher mehrere der Verurtheilten begnadigt; am 2gstenJuni Georges mit neun andern hingerichtet. Für'Moreau undgegen sein Ürteil sprach laut die Menge. Gern bewilligte Napo-leon, daß er »ach Nordamerika sich begebe, doch nicht ohne kai-serliche Genehmigung nach Frankreich zurückkehre. Der Sturm warbeschworen, und fester, unerschütterlicher die kaiserliche Despotie be-gründet. Unaufhaltsam schreitet dieselbe nun weiter fort. DaSgroße Ziel ist erreicht; der Charakter des Mannes, der gekommen,die Welt zu verwirren, erschienen. Was ferner geschieht, ist nurEntfaltung, nur Ausdruck dessen, was längst in seiner Seele begrün-det war. Wie er Frankreich gedemüthigt, hofft er nun auch Eu-ropa sich zu unterwerfen. Stufenweis, aber rasch von ungeheuremGlück begünstigt, ist er zu einer Höbe emporgestiegen, von derherab er alles verachtend anschaut; doch reizt das Verachtete seineunersättliche deidenschast, die Herrschaft der Welt zu gewinnen.Und Alles begünstigt ihn. Eine geübte siegreiche Armee steht ihmzur Seite. Die Macht seines Staats durch seine eigne allgefürchteteGröße, auch in der Meinung der Menschen, erhöht, wird überallmit geheimem Grauen anerkannt. Die Nachbarstaaten sind durch dielingen Revolutionskriegc geschwächt, entmuthigt. Künstlich weißer, was einig ist, zu trennen; was schon zwieträchtig, völlig aus ein-ander zu rerße»; was vereint unbesiegbar gewesen wäre, vereinzeltzu übereilen und zu überwinden. Der lange Schlaf, der die mei-sten Staaten Europa's seit langer Zeit gefesselt, aus dem sie nochimmer nicht völlig aufgeschreckt waren, befördert alle Plane desNierastenden, Jmmergeschäftigen. Jeder neue Sieg über den Ei-nen '»-erst und läbmt den Andern. Der Glaube an seine Unüber-windlichkeit wird immer allgemeiner, und er ist unüberwindlich um