Band 
Sechster Band. M und N.
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787
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Napoleon 787

eine Landung in England zu betreiben. Schon ging ihm ein Be-fehl voraus, mit sorgfältiger Bezeichnung des Ceremoniels, mitdem man ihn auf seiner Reise empfangen sollte. Am zosten Junilangte er in Boulogne an, und in allen Häfen, von Havre bisOstende, wurden nun die Vorbereitungen zurLandung rasch gefördert.Eine zahlreiche Armee lagerte an der Küste; unermeßliche Summenwurden aufgewendet, Transportfakrzeuge zu erbauen, welche die Ar-mee von England zu ihrer Bestimmung abführen sollte». Indeßsperrte die englische Flotte mehrere französische und deutsche Häfen,sammt der Elbe und Weler, und alle Verbündeten litten schon un-ter den Maßregeln ihres Beschützers. Am Uten August war Napo-leon nach St. Cloud zurückgekehrt; aber die große Unternehmungan der Küste ward ernstl'ch gefördert, und er selbst ging am 4tenNovember, doch nur auf wenige Lage, wieder nach Boulogne ab.Der Anfang des Jahres 1804 schien ausersehen zur endlichen Aus-führung dxs kühnen Plans. Am istcn Januar erschien der Obercon-sul zum dritten Mal in Boulogne, als man schon seit geraumer Zeitdie kostspieligen Rüstungen an der Küste für ein Possenspiel ansah.Und wirklich geschah auch jetzt nichts. Schon am 6ten Januar kehrteer nach Paris zurück. Hier ward am igten Februar eine Verschwö-rung gegen den Oberconsul entdeckt, in der Pichcgru und Georges, mitmehrern französischen Emigrirten Hauptpersonen waren. Beide wur-den mit 4g andern Theilnchmern oder Verdächtigen nach und nachverhaftet. Unter ihnen auch Moreau. Man wollte gefunden haben,daß die Verschwornen mit mehrern französischen Emigranten undenglischen Gesandten und Agenten in Deutschland in Verbindungständen. Dies gab Veranlassung zu Gewaltthaten, die den frechenlibermuth und die ehrlose Bosheit des furchtbaren Consuls vonneuem bestätigten. Zwei französische Militärcommando's gingen inder Nacht vom i4tcn aus den igten März über den Rhein, besetztenmitten im Frieden im badenschen Lande Kehl und Etten-heim, und nahmen, mit vielen Emigranten, den Herzog vonEnghien, Prinzen von Bourbon-Conde, gefangen. Letztrer wardeilends nach Paris gebracht, in Vincennes vor eine Militärcommis-sion (in der Nacht des rosten März) gestellt, und in derselben Nachtauf Befehl des Obercon>uls im Wald zu Vincennes erschossen. —Diese Gräuelthat verbreitete in Deutschland, ja in ganz Europatiefen Abscheu, Schrecken und Furcht. Aber nur Rußland undSchweden erhoben laut ihre Stimmen gegen die schändliche Ver-letzung des Völkerrechts. Die französische Regierung schien sich recht-fertigen zu wollen durch die Anzeige von geheimen Ränke», durchwelche der englische Gesandte, Francis Drake zu München undSpencer Smith rn Stuttgart Empörung in Frankreich, einzuleitengesucht hätten. Beide hielten sich in Deutschland nicht länger sicherund eilten nach England zurück. In England ward zwar die ganzeAnklage für Verleumdung erklärt, doch war sie gewiß wenigsten«nicht ganz grundlos. Der Gewalthaber wußte auch dies Ereignißzu seinen Gunsten zu gebrauchen. In Paris gaben jene BorfälleVeranlassung, auf die Nothwendigkeit einer erblichen Gewalt in derRegierung der Republik hinzuweisen. Die Spiegelfechtereien derVersammlungen darüber und der Volksabstimmung beginnen vonneuem. Was einige angedeutet, ward von dem ersten Consul so-gleich als Willensmeinung jener ausgesprochen, und der bestimmtereAusdruck drs schönen Gedankens angeregt. Am 22sten März 1804