Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
793
JPEG-Download
 

Napoleon 79z

hin eilten der König von Spanien und sein Sohn. Ein Gewebe von Nie»derträchtigkeiten trat nun in volle Wirksamkeit. Die königliche Fami-lie war entzweit; jetzt in deö Furchtbaren Gewalt. Am 8ten Maientsagte der König für sich und seine Familie den Ansprüchen aufSpaniens Thron, und begab sich in sicherm Gewahrsam nach Fon-taincbleau; den Prinzen ward Wa>en<;ay angewiesen. WortreicheProclamationeN verkündeten alsbald den Spaniern ibr nahes Glück;eine Junta versammelte sich in Bayonne, und am 6ten Juni wardNapoleons Bruder Joseph zum König von Spanien ernannt.Aber mit ungeahneter Begeisterung und unbesiegbarer Beharrlichkeitvertheidigten die Spanier ihre Freiheit und ihren König, der sichselbst aufgegeben hatte. Der blutige Kampf, der endlos mit abwech-selndem Erfolg fortwüthete, mußte den Übermüthigen belehren,daß er nicht Alles vermöge. In Spanien scheiterten seine Plane,brach sich seine Macht. Am roten Juli ward sein Schwager Ioa -chim Murat zum König von Neapel und Sicilien ernannt, undsein Großherzogthum Berg an den unmündigen Sohn des Königsvon Holland gegeben, Aber Sicilien war nicht zu erobern, undder neue König von Spanien, wiederholt aus seiner Haupt-stadt vertrieben, sehnte sich vergebens nach dem ruhigern Neapel,Indeß war Parma, Piacenza und ToScana mit Frankreichvereinigt, und die Königin von Hetrurien nur mit Worten entschä-digt worden. Französische Truppen hatten den Kirchenstaat besetzt.Die anticipirenden Conscriptioncn sammelten immer neue Streit-kräfte. Keine Macht, kein Recht scheute mehr der freche Usurpa-tor. In Frankreich schuf er einen neuen Adel und Majorate, undverpflichtete auch dadurch sich noch mehr die Diener seiner Plane,Durch die Organisation der Schulen und Studienanstalten bezeugteer immer mehr, wie fremd ihm echt menschliche Cultur sey, wie erdarauf nur sinne, eine Soldatenmacht zu gründen, und nach Unter-drückung jedes ediern Freiheitssinnes, ganz Europa eben so unter-würfig zu machen; wie der neue Religionscatechismus für das ganzefranzösische Reich als ein Hauptgebot die blindeste Ergebenheit gegenihn zur Pflicht machte. — Doch von neuem sollte es scheinen, altzwolle er Europa den Frieden geben. Am sf-sten September erschiener in Erfurt, wo auch der Kaiser Alexander mit allen Köni-gen und Fürsten sich einfand. In trügerische Hoffnungen wiegtensich die Leichtgläubigen ein. Am iZten Oktober war er wieder inSt. Cloud eingetroffen; am Lyken ging er nach Spanien ab.Seine Gegenwart führte auch hier die Franzosen zu neuen Siegen.Doch war auch er nicht, vermögend, Spanien zu unterjochen, undneue Bewegungen in Österreich riefen ihn schleunig zurück, Rocheinmal wollte der Kaiser Franz eigne Sicherheit und Europa'sFreiheit durch entschlossenen Kampf zu vertheidigen suchen.. Inungeheurer Wuth betrieb Napoleon die Rüstungen, welche Öster-reichs Mache vernichten sollten. Der Rheinbund ersetzte reichlich dirfranzösischen Soldaten, die in Spanien zurückbleiben mußten, Amyten April 1809 erfolgte Österreichs Kriegserklärung. Selbst vonRußland, wie von Deutschland verlassen, stand allein die österrei-chische Monarchie. Schon am i8ten April traf Napoleon in Jnrg olsta d t e n. Am Losten besiegte er an der Spitze der Bayern,Wirtemberger und Darmstädter, eine österreichische Armee bei Abens-berg. Am Listen folgte eine Schlacht bei L^ndshut, am susten beiEckmühl, am Listen bei Regens bürg, und unwiderstehlich drang