i8 Tsledtz Tolly
nach Adrkanspel geschickt, und nachher wieder zum Fürsten vonWiddin ernannt; begab sich nach dem Frieden von Carlowitz i6yynach der Türkei, wo erkauf einem Landgute bei Nicomedien wohnteund den izten September 1705 sein unruhiges Leben endete. Erwar ein Mann von hohem Muthe, scharfer Beurtheilungskraft,gereifter Einsicht und einer Gegenwart des Geistes, die ihn nieverließ. Mit diesen Eigenschaften war ei» schönes Äußere undsehr einnehmende Sitten verbunden, welches alle« ihn wohl zu ei-nem glücklichern Erfolge seiner Bemühungen für sein Vaterlandberechtigt hätte. Indessen muß Ungarn doch in ihm den Wieder-herstelle;: seiner alten constitutionsmäßigen Freiheit verehren. „Esist unser Unglück gewesen, Bruder, sagte er zu dem Fürsten De-metrius Cantemir, in dem Dienste eines Touverains gewesen zuseyn, dessen Wille veränderlicher ist, als das Licht, welches er inseinem Wappen führt."
Toledo, die Hauptstadt der Provinz gleiches NamenS imKönigreiche Neu-Castilien, auf einem Felsen, am Lajo, der zwi-schen hohen und felsichten Ufern die Stadt auf drei Seiten um-gibt. Die Stadt ist dieser Lage wegen sehr ungleich; das nöthi-ge Wasser wird aus dem Flusse durch Esel auf den Felsen hinaufgetragen. Toledo war ehemals sehr ansehnlich, hatte 200,000 Ein-wohner und war der Sitz maurischer Könige, deren alte Residenz,der Alkazar, jetzt in ein Hospital verwandelt worden ist. DieStadt ist dermalen sehr verfallen, hat zwar viel Kirchen und Klö-ster, aber nur 25,000 Einwohner. Sie ist der Sitz eines Erzbi-schofs, der den Titel als Primas von Spanien führt, 8 Bischöfeunter sich hat, und sonst 300,000 Ducaten jährliche Einkünfte be-zog. Auch ist hier eine, aber sehr unbedeutende Universität. Un-'ter den Gebäuden zeichnet sich die in gothischem Geschmack.erbauteDomkirche aus. In der Nähe der Stadt sinken sich noch Überresterömischer Alterthümer. Es gibt hier Seideufabrikkn und einedem Könige gehörige Degenklingenfabrik. — Toledo war auchder eigentliche Familienname des großen, aber durch seine Grau-samkeit in den Niederlanden unter Philipp Ist» berüchtigt gewor-denen spanischen Generals Duos
Toleranz, s. Duldung.
Tolly (Barclai de), Fürst, russisch kaiserlicher General-feldmarschall, geb. 1760, ist der Sohn eines Predigers in Lief-land, stammt aber ursprünglich aus einer alten schottischen Fami-lie ab, deren Namen einige berühmte Gelehrte geführt haben. Erdiente mit Auszeichnung in der russischen ArMee, und erwarb sichin den Feldzügen von 1806 und 1307 gegen die Franzosen durchpersönliche Brävour vielen Ruhm. Auch in dem Kriege, der IMSmit Schweden ausbrach, zeichnete er sich in Finnland bei verschied-nen Gelegenheiten aus. Zur Belohnung seiner Verdienste würd«er igoy zum Gcnerallieutenant, nachher zum General der Infam-terie und im I. i8n zum Kriegsminister ernannt, welche Stell«er bis zum Z. igiZ bekleidete. Nach dem Rückzüge der Franzo-sen aus Rußland im Winter 1812 erließ er unterm Zten Januar1813 den bekannten merkwürdigen Aüfrnf an die deutschen Krup-pen bei der französischen Armee, in welchem er sie auffodtrte, sichunter dem Schutze Rußlands in eine deutsche Legion zu vereinigen,um die Franzosen aus Deutschland vertreiben zu helfen. Bei Er-öffnung des Feldzugs im Jahre rtziz comm»ndirte er ein Reserve-