Tournefort 49
krumme und enge Gaffen, eine königliche Münze, eine 1228 ge-stiftete, jetzt in ein Lyceum verwandelte Universität, eine seit 1807wieder hergestellte Akademie der schönen Wissenschaften, eine Mah-ler-, Bildhauer- und Bauakademie. 1805 wurde auch eine derzwölf Landschulen zur Erlernung der Jurisprudenz hieher verlegt,und ikoy eine zur Landesuniversität gehörige Akademie. Einwoh-ner waren im I. 1302 50,171. Es ist liier ei» Erzbischof, dereinen prächtigen Palast hat, und dessen Sprengel sich über daSDepartement der Haute Garonne und Arriegs erstreckt. Die kost-bare Brücke über die Garonne halt 145 Toiscn in der Länge, und12 in der Breite. Das Rathhaus wird Capital genannt, und dieRathsherren, welche Capitouls hießen, hatten ehemals den Adel-stand. Das Capital flog 1772 durch Entzündung einiger Pulver-fässer in die Luft, ist aber besser und mit einer sehr schönen Fa-hnde wieder hergestellt. Außer mehreren merkwürdigen Kirchen,ferner dem Par^amentspalaste, dem Zeughause, den herrlichenPromenaden an der Garonne u. s. w. gibt es hier noch verschie-dene Überreste von römischen Amphitheatern und Wasserleitungen.Sowohl die Garonne, als der unterhalb der Stadt hineingehendeCanal von Languedoc, sind dem Handel sehr Vortheilhaft. DieHandlung mit Getraide, Mehl und Bauholz der Landschaft, mitspanischer Wolle und den hiesigen Manufaeten von feinen Tü-chern, Seiden- und Baumwollenstoffen ist freilich beträchtlich, ent-spricht aber nicht der glücklichen Lage der Stadt. Die Einwohnerwaren ehemals sehr eifrig für ihre Religion, und das hiesige Par-lament verurtheilte 17Ü2 den unglücklichen Cala s. Westen dervon Paris aus zu spät angelangten Nachricht von der Lhrvnent-setzung Bonaparte's wurden bei Toulouse im April 1814 zwischenden verbündeten Engländern, Spaniern und Portugiesen und denFranzosen mehrere sehr hitzige Gefechte geliefert, und die Stadtvon den Engländern am Uten April eingenommen.
Tournefort (Joseph Pitten de), ein berühmter Botani-ker, geboren zu Air in der Provence den 5ten Juni 1656, fandschon in seiner Kindheit das größte Bergnügen am Kräutersam-meln, so daß er, ohne Anleitung, sich mit allen in der Gegendvon Air wachsenden Kräutern in sehr kurzer Zeit bekannt machte.In dem Jesuitercollegium erhielt er seine Schulerzichunq, stu-dirte nachher zu Montpellier Theologie, Anatomie und Medicin,v-rzüglich aber Botanik. Der Tod seines Vat.rs (1676) ver-schaffte ihm völlige Freiheit, seiner Lieblingsneigung zu folgen,und jetzt unternahm er mehrere Reisen durch Frankreich, die Py-renäen, England, Holland und Spanien, und eine-machte er aufKosten des Königs nach der Levante. 1688 wurde er als Profes-sor der Kräuterkunde bei dem königlichen Garten in Paris ange-stellt, zu dessen Bereicherung er viele Reisen machte, und iüz2zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften ernannt.1ÜY4 gab er sein erstes Werk: ülemiLno lle on löls-
lfloäe pour connaitrs les planteo in Z Quartbanden Mit vielenKupfern heraus. Durch dieses System der Kränterkunde erwarbsich Tournefort einen unsterblichen Namen, da er eine bessere Be-stimmung der Pflanzengattungen einführte, deren Charaktere be-sonders von der Gestalt der Blumen hergenommen sind. Bis zukinne's Zeiten war Lourneforts System das beliebteste, und eineMenge von Pflanzen verdanken ihm ihre Benennungen. 1700 er-konv. Lex, 4t! Anst. X. 4