Traditoren Trafalgar 53
welche in spätern Zeiten nicht nach Anweisung der heil. Schrift,ja, wie die Protestanten »eigen, oft sogar im Widerspruch mitdem biblischen Ehristcnthume, durch Concilien und Päpste in derKirche aufgebracht worden sind, als göttliche Institutionen zu ach-ten wären. Der angegebene, bei den echtpapistischcn und als or-thodox geltenden katholischen Kirchenlehrern nachzuweisende Tradi-tionsbegriff stützte da« Dogma von der unumschränkten Gewalt derKirche über Glauben, Cultus und Leben der Christen und jeneMenge kirchlicher Satzungen, Gebräuche und Einrichtungen, diebei den Protestanten im Rufe schriftwidrkger und schädlicher Er-findungen des Aberglaubens, der Herrschsucht und der Geldgierstehen. Die historische Kritik, wie sie von protestantischen Theo-logen geübt wird, darf daher an die katholische Traditionlehrenicht rühren; sie würde mit ihr das ganze System des Katholicis-mus umwerfen. Vielmehr muß ein unbedingter Glaube an diegöttliche Autorität der Kirche und an die ihr fortwährend beiwoh-nende Inspiration diese Lehre heiligen und die tridentinische Kir-chenversammlung hat nicht ganz konsequent decretirt, daß der Tra-dition nur gleiche Ehrfurcht wie der heiligen Schrift gebühre, daerstere als kirchlich anerkannte alleinige Auslegen» der letzter» ei-gentlich das höhere normative Ansetzn hat. Hieraus ergibt sichdie zur Beurtheilung der theologischen Gegensätze unserer Lage die-nende Bemerkung, daß die Tradition dem echten Katholiken das-selbe ist, was die Vernunft dem Rationalisten und der wissen-schaftlich ausgemittelte Buchstabe der heil. Schrift den Superuatu-ra listen. L.
Traditoren wurden diejenigen Christe» genannt, die sichunter den Christenverfolgungen, besonders Diokletians, des Ver-gehens der Auslieferung heiliger Bücher und Gefäße an die heid-nische Obrigkeit schuldig machten. Meist waren es zaghafte Geist-liche, die die Kirche durch Entsetzung von ihren Ämtern bestrafte.Da die Donatisten (s. d. Art.) solche Auslieferer sogar den ärgstenKetzern gleichstellten, milderte die orthodoxe Kirche ihr Urtheilüber dieses Vergehen, zu dem er unter den christlichen Kaisernkeine Gelegenheit mehr gab. xs.
Trafalgar (Schlacht von) Mit vieler Mühe und Vorsicht,mit den größten Erwartungen, hatte sich im Sommer igog diegroße französische Flotte unter dem Admiral Villeneuve mitder spanischen unter dem Admiral Gravina im Hafen zu Cadixvereinigt und war in die westindischen Gewässer gesegelt, hatteFurcht und Schrecken daselbst verbreitet, aber ohne irgend eineInsel zu nehmen; kaum einige englische Kauffahrer und ein Cut-ter waren ihr in die Hände gefallen. Die Engländer hatten derfranzösischen Flotte gleich ihren Seehelden Nelson mit einer et«wa halb so starken Flotte nachgesandt, aber vergeblich suchte erdie französisch-spanische Armada in BarbadoS, in Martinique, i»St. Suzie und segelte mißmuthig nach Europa zurück. Hier hatte,bei Corunna (22. Jul. 1805), bereits der Admiral Calder diefeindliche Flotte angetroffen und ihr eine Schlacht angeboten, wel-che sie zwar annahm, die aber zu nichts führte, da ein dicker Ne-bel im Augenblick des Kampfes alles verdunkelte und jeder Theilbeträchlichen Schaden litt. Die cembknirte spanisch-französischeFlotte bot der englischen unter Calder auch den andern Lag'dieSchlacht an, diese aber zog sich zurück. So blieb es also Nelson